Warum der Weg dorthin durch das Backoffice führt
- Wie haben sich RevPAR und Flow-Through in den letzten Jahren entwickelt?
- Warum reicht RevPAR als Steuerungsgröße nicht mehr aus?
- Warum existiert ein strukturelles Datenproblem zwischen Revenue Management und Controlling?
- Was eine integrierte Backoffice-Plattform verändert
- Was ist GOPPAR und warum ist diese Kennzahl wichtiger als RevPAR?
- Profit Management in der Praxis
- FAQs rund um das Thema Revenue Management
Viele Hotels erzielen heute bessere Umsätze als je zuvor. Trotzdem bleibt am Ende weniger übrig. Der Grund liegt nicht im Revenue Management, sondern in der fehlenden Verbindung zwischen Umsatzdaten und Kostendaten. In diesem Artikel erläutert Enrico Nahler, Digitalisierungsberater für Hotels bei Scopevisio, warum der Weg zu mehr Profit durch das Backoffice führt und was eine integrierte Datenbasis konkret verändert.
Das Wichtigste in Kürze
- Der globale RevPAR stieg seit laut einer Analyse von Duetto und HotStats 2019 um 19 %, die Buchungskosten jedoch um 25 %. Umsatzwachstum allein schützt nicht vor sinkenden Margen.
- Der durchschnittliche Flow-Through europäischer Hotels liegt 2025 bei nur noch 29 %, historisch waren es rund 50 %.
- GOPPAR ist die entscheidende Steuerungsgröße: Sie verbindet Umsatz und operativen Gewinn und spricht Revenue Management wie Controlling gemeinsam an.
- Das strukturelle Problem: Preisentscheidungen basieren auf Umsatzsignalen. Ergebnisbewertungen kommen Wochen später aus einem anderen System.
- Eine integrierte Backoffice-Plattform schließt diese Lücke: Hotels mit integrierter Steuerung steigerten ihren GOPPAR um bis zu 6,8 % innerhalb von zwölf Monaten.

Ich spreche regelmäßig mit Revenue Managern, die ihren Job gut machen. Sie optimieren Preise, steuern Kanäle, beobachten den Wettbewerb. Und ich spreche mit Directors of Finance und Controllern, die ebenfalls ihren Job gut machen. Sie kennen die Kostenstruktur des Hauses, führen die Bücher, verantworten die monatliche Gewinn- und Verlustrechnung.
Beide Seiten arbeiten professionell. Beide schauen auf dasselbe Hotel. Und beide arbeiten mit Daten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus unterschiedlichen Systemen kommen.
Das ist kein Kommunikationsproblem. Es ist ein Datenproblem. Und aktuelle Branchenzahlen zeigen, dass es zunehmend teuer wird.
Wie haben sich RevPAR und Flow-Through in den letzten Jahren entwickelt?
Der globale RevPAR ist laut einer Studie von Duetto und HotStats seit 2019 um rund 19 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum sind die Buchungskosten pro verfügbarem Zimmer um 25 Prozent gestiegen. Das klingt nach einem strukturellen Problem – und es ist eines.
Die Konsequenz lässt sich an einer Kennzahl ablesen, die im Hotelcontrolling noch zu selten als Steuerungsgröße genutzt wird: dem Flow-Through.
Flow-Through misst, welcher Anteil zusätzlicher Umsätze tatsächlich als operativer Gewinn ankommt. In der Hotellerie galt ein Wert von rund 50 Prozent über lange Zeit als Richtwert. Eine gemeinsame Analyse führender Branchendatenquellen zeigt für europäische Hotels in 2025 einen Durchschnittswert von 29 Prozent.
Konkret bedeutet das: Von jedem zusätzlichen Euro Umsatz bleiben europäischen Hotels heute durchschnittlich 29 Cent als operativer Gewinn – gegenüber historisch rund 50 Cent. Gute Auslastung, steigende Raten – und trotzdem bleibt weniger übrig als früher. Das ist kein Einzelfall. Das ist ein Muster.
Warum reicht RevPAR als Steuerungsgröße nicht mehr aus?
RevPAR erfasst nur den Zimmerumsatz pro verfügbarem Zimmer, berücksichtigt aber weder variable Kosten wie Housekeeping und Channel-Kosten noch die Fixkostenlast des Hotels. Eine Preisentscheidung auf dieser Basis kann daher an der tatsächlichen Marge vorbeisteuern.
RevPAR ist eine ehrliche Kennzahl. Sie misst, was sie verspricht: den Zimmerumsatz pro verfügbares Zimmer. Das ist wichtig, aber es ist nicht ausreichend für eine fundierte Steuerung.
Hotels tragen eine hohe Fixkostenlast: Gebäude, Kernbelegschaft, Energiegrundbedarf. Hinzu kommen variable Kosten, die mit jeder belegten Nacht entstehen: Housekeeping, Verbrauch, F&B-Anteile, Channel-Kosten. Der Preis einer Zimmernacht muss diese variablen Kosten zunächst decken. Was darüber hinaus erwirtschaftet wird, ist Deckungsbeitrag. Dieser Deckungsbeitrag trägt die Fixkosten. Erst wenn die Fixkosten gedeckt sind, entsteht Gewinn.
Das ist betriebswirtschaftliches Grundprinzip. Aber in der Praxis fehlt genau diese Perspektive im Moment der Preisentscheidung – weil die nötigen Kostendaten in einem anderen System stehen, von einer anderen Abteilung verwaltet werden und typischerweise erst Wochen später als abgeschlossener Monatsabschluss vorliegen.
Eine Preisentscheidung auf Basis von Umsatz-Signalen allein optimiert möglicherweise an der Marge vorbei. Wer die variablen Kosten pro Zimmernacht und die Channel-Kosten nicht kennt, kann nicht beurteilen, ab welchem Preis eine Buchung tatsächlich zum Ergebnis beiträgt.
Warum existiert ein strukturelles Datenproblem zwischen Revenue Management und Controlling?
Revenue Management trifft Preisentscheidungen in Echtzeit auf Basis von Umsatzsignalen, während die Kostendaten aus dem Controlling erst Wochen später als abgeschlossener Monatsabschluss aus einem separaten System verfügbar sind.
Fehlentwicklungen wie überhöhte OTA-Provisionen oder Personalkostenüberschreitungen werden erst im Nachhinein sichtbar, wenn die zugrundeliegenden Entscheidungen längst getroffen sind.
Stellen wir uns vor, ein Hotel fährt im August eine ambitionierte Auslastungsstrategie. RevPAR steigt. Im September schaut der Controller auf die Gewinn- und Verlustrechnung: Die Marge ist gesunken. Personalkosten überproportional gestiegen. OTA-Provision größer als geplant. Wareneinsatz im F&B höher als erwartet.
Jetzt beginnt die Analyse – für Entscheidungen, die bereits getroffen wurden.
Preisentscheidungen werden auf Basis von Umsatz-Signalen getroffen. Ergebnis-Bewertungen kommen zeitversetzt aus einem anderen System. Beide beschreiben dieselbe Realität, aber nicht zur selben Zeit, nicht auf derselben Datenbasis.

Die Lösung liegt nicht in einem neuen Revenue Management System und nicht in einer neuen Controlling-Software. Sie liegt in der Verbindung beider Welten: einer gemeinsamen Datenbasis, auf der Umsatz-Signale und Kosten-Signale gleichzeitig sichtbar sind.
Hotels, die Umsatz- und Profitdaten integriert steuern, konnten laut Branchendaten ihren GOPPAR um bis zu 6,8 Prozent steigern und lagen innerhalb von zwölf Monaten nach Systemintegration messbar besser als vergleichbare Häuser. Das ist kein kosmetischer Effekt.
Was eine integrierte Backoffice-Plattform verändert
Genau hier liegt die Lücke, die wir in unserer Arbeit mit Hotels immer wieder sehen. Nicht im Revenue Management. Nicht im Controlling. Sondern in der Verbindung zwischen beiden.
Ein PMS liefert täglich aktuelle Umsatzdaten. Eine Backoffice Automation Plattform wie Scopevisio sie bietet, die direkt an das PMS angebunden ist, überträgt diese Daten automatisch in die Finanzbuchhaltung und macht Kosten, Deckungsbeiträge und Ergebnis-KPIs in Echtzeit verfügbar. Nicht als Monatsabschluss, sondern als laufende Steuerungsgröße.
Was das konkret ermöglicht:
- Für den Revenue Manager: Der Deckungsbeitrag einer Preisentscheidung wird sichtbar – nach Channel-Kosten und variablen Kosten – nicht im nächsten Controlling-Meeting, sondern im Moment der Entscheidung.
- Für den Director of Finance: Die Preisstrategie ist keine Überraschung mehr am Monatsende, sondern eine laufend beobachtbare Variable in der Kostenplanung.
- Für den General Manager: Die Frage „Warum sinkt die Marge trotz guter Auslastung?“ lässt sich beantworten – weil Umsatz- und Kostendaten aus derselben Quelle kommen und zeitgleich verfügbar sind.
Das ist keine Theorie. Wir arbeiten seit über 30 Jahren an genau diesen Backoffice-Prozessen in der Hotellerie – von der Einzelimmobilie bis zur Hotelgruppe mit mehreren Standorten. Die Häuser, die diese Verbindung geschaffen haben, schließen ihren Monat früher ab, entscheiden auf besserer Datenbasis und entlasten ihre Verwaltungsteams von Aufgaben, die besser automatisiert erledigt werden.
Was ist GOPPAR und warum ist diese Kennzahl wichtiger als RevPAR?
GOPPAR – der operative Bruttogewinn pro verfügbarem Zimmer – ist die erste Kennzahl, bei der Revenue Management und Controlling in dieselbe Richtung schaut. Sie berücksichtigt nicht nur den Zimmerumsatz, sondern alle operativen Erlöse und Kosten.
Die folgenden Kennzahlendefinitionen orientieren sich am Uniform System of Accounts for the Lodging Industry (USALI, 11. Revised Edition).
| Kennzahl | Fokus | Blinder Fleck |
|---|---|---|
| RevPAR | Zimmerumsatz pro verfügbarem Zimmer | Kosten, Nebenerlöse |
| NRevPAR | Zimmerumsatz nach Vertriebskosten | Operative Kosten |
| TRevPAR | Gesamtumsatz aller Bereiche | Profitabilität |
| GOPPAR | Operativer Gewinn pro verfügbarem Zimmer | — |
Ein hoher RevPAR bei niedrigem GOPPAR ist kein Erfolg. Es ist ein Hinweis, dass zwischen Umsatz und Ergebnis Wert verloren geht — und dass dieser Verlust bisher nicht sichtbar war.
Flow-Through macht diesen Verlust sichtbar. Wenn der Wert auf 29 Prozent sinkt, fließen 71 Prozent jedes zusätzlichen Umsatz-Euros in Kosten. Die Frage ist: In welche Kosten genau – und lassen sich diese Kosten beeinflussen? Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn Finanzbuchhaltung, Controlling und operative Steuerung auf derselben Datenbasis arbeiten.
Profit Management in der Praxis
In der Hotellerie gewinnt das Branchen-Narrativ des Profit Managers an Gewicht: Menschen, die Umsatz und Kosten in Echtzeit sehen – und damit in der Lage sind, Preisentscheidungen auf Basis des tatsächlichen Deckungsbeitrags zu treffen statt auf Basis von Auslastungs-Signalen allein.
Diese Entwicklung setzt voraus, dass das Backoffice Schritt hält. Dass Rechnungen nicht in Papierstapeln warten, bis jemand Zeit hat. Dass der Monatsabschluss nicht vier Wochen nach Periodenende kommt. Dass der General Manager am dritten Werktag des Folgemonats echte Zahlen hat – keine Hochrechnungen.
Das ist die Lücke, bei der wir helfen können. Nicht, indem wir Revenue Management neu erfinden, sondern indem wir das Backoffice so aufstellen, dass es die Geschwindigkeit liefert, die fundierte Entscheidungen brauchen.
Wollen Sie erfahren, wie der Schritt vom Revenue Manager zum Profit Engineer gelingt?
In diesem Webinar erfahren Sie es! Zu Gast im Webinar am 30. Juni 2026 ist Maximilian Bräu (Bräu Innovation & Consulting), der als Hotel-Controlling-Experte praxisnahe Erkenntnisse aus zahlreichen Beratungsprojekten mitbringt. Gemeinsam gehen wir von den täglichen Herausforderungen eines Revenue Managers aus und zeigen, was sich konkret ändert, wenn Echtzeit-Daten auf Knopfdruck bereitstehen.

FAQs rund um das Thema Revenue Management
RevPAR steht für Revenue Per Available Room (Umsatz pro verfügbarem Zimmer) und ist eine der wichtigsten Kennzahlen im Hotelmanagement.
Berechnung:
RevPAR lässt sich auf zwei Wegen ermitteln:
RevPAR = Zimmerumsatz ÷ Anzahl verfügbarer Zimmer
oder
RevPAR = Durchschnittlicher Zimmerpreis (ADR) × Auslastungsrate
Beispiel:
Ein Hotel mit 100 Zimmern erzielt an einem Tag einen Zimmerumsatz von 8.000 €, davon sind 80 Zimmer belegt:
- ADR = 8.000 € ÷ 80 = 100 €
- Auslastung = 80 %
- RevPAR = 100 € × 0,80 = 80 €
Die Kennzahl kombiniert zwei entscheidende Faktoren – Preis und Auslastung – in einer einzigen Zahl. Damit lässt sich erkennen, ob ein Hotel seine Zimmerkapazität wirtschaftlich optimal nutzt. Ein Hotel kann z. B. eine hohe Auslastung haben, aber zu niedrige Preise ansetzen – oder umgekehrt. RevPAR deckt beides auf.
GOPPAR steht für Gross Operating Profit Per Available Room (Bruttobetriebsgewinn pro verfügbarem Zimmer) und geht als Kennzahl deutlich tiefer als RevPAR, weil sie nicht nur Umsätze, sondern auch Kosten berücksichtigt.
Berechnung:
GOPPAR = Gross Operating Profit (GOP) ÷ Anzahl verfügbarer Zimmer
Der GOP ergibt sich aus dem Gesamtumsatz des Hotels (Zimmer, Restaurant, Spa, Veranstaltungen etc.) abzüglich aller operativen Kosten (Personal, Energie, Lebensmittel, Marketing usw.) – jedoch vor Abzug von Steuern, Zinsen und Abschreibungen.
Beispiel:
Ein Hotel mit 100 Zimmern erwirtschaftet in einem Monat:
- Gesamtumsatz: 500.000 €
- Operative Kosten: 320.000 €
- GOP: 180.000 €
- Verfügbare Zimmernächte: 3.000 (100 Zimmer × 30 Tage)
GOPPAR = 180.000 € ÷ 3.000 = 60 €
Im Vergleich zu RevPAR zeigt GOPPAR, ob ein Hotel tatsächlich profitabel wirtschaftet. Ein Hotel kann einen hohen RevPAR haben, aber durch hohe Kosten dennoch wenig oder gar nichts verdienen. GOPPAR deckt genau das auf.
Steigt der Umsatz um 200.000 € und der GOP um 120.000 €, ergibt sich:
Flow-Through = 120.000 € ÷ 200.000 € × 100 = 60 %
Von jedem zusätzlich verdienten Euro bleiben 60 Cent als Gewinn im Hotel.
Richtwerte:
| Wert | Bewertung |
| unter 40 % | schwach |
| 40–60 % | solide |
| über 60 % | sehr gut |
Revenue Management optimiert Preis und Auslastung mit dem Ziel, den Umsatz zu maximieren. Profit Management erweitert diese Perspektive um die Kostenseite: Nicht der höchste Umsatz ist das Ziel, sondern der höchste Deckungsbeitrag. Für die Systemlandschaft bedeutet das, dass PMS, Revenue Management System und Controlling-Software nicht länger isoliert betrieben werden können – sie müssen auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenarbeiten, damit Preisentscheidungen und Ergebnisbewertung zur selben Zeit auf denselben Zahlen basieren.
