Digital Leadership – Unternehmenskultur 4.0

Digital Leadership – Unternehmenskultur 4.0

Inga Ketels 16. November 2016 7444 Aufrufe

Digitalisierung bedeutet mehr als die Vernetzung der Fabriken, die durch das Schlagwort Industrie 4.0 derzeit überall propagiert wird. Längst geht es nicht mehr nur um Technik, sondern um Lebensformen. Technologischer Wandel geht mit sozialen Veränderungen einher.

Die digitale Transformation erfasst inzwischen alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Sie verändert die Art und Weise wie wir miteinander kommunizieren, wie wir Daten austauschen und Informationen gewinnen.

Während wir Digitalisierung und Vernetzung mittlerweile als festen Bestandteil unseres Alltags erleben, tun sich Unternehmen jedoch oftmals schwer, diese als Teil ihrer Unternehmenskultur zu verstehen und in ihre Strategie zu integrieren. Sie halten an alten Geschäftsmodellen und Managementkonzepten fest, die lange vor der digitalen Transformation entwickelt wurden.

Veraltete Organisationsstrukturen und Hierarchien prägen den Alltag in den Unternehmen. Um eine Unternehmenskultur 4.0 zu schaffen, ist jedoch ein zeitgemäßer Digital Leadership nötig.

Wie die Digitalisierung unseren Alltag verändert

Digitalisierung und Vernetzung spielen in Zeiten des Internets in allen Lebensbereichen eine immer größere Rolle. Social-Media-Dienste ermöglichen es uns, schnell und unkompliziert Text-, Sprach-, Bild- und Videonachrichten auszutauschen. Mithilfe von Filehosting-Diensten wie Dropbox können wir leicht auch größere Dateien anderen zugänglich machen. In Zukunft wird die Kommunikation mehr und mehr durch das Internet bestimmt sein.

Der Wandel hat auch die Medienwelt und die Art und Weise, wir wir uns informieren, erfasst. Über den täglichen Newsfeed bei Twitter und Facebook erfahren wir über das Internet schon morgens in der U-Bahn, was in der Welt da draußen gerade geschieht. Mit dem Smartphone stets in Reichweite können wir uns den ganzen Tag über mit einem Klick auf dem Laufenden halten.

Durch den dem Newsfeed zugrundeliegenden Algorithmus sind die Nachrichten auf unsere persönlichen Lesepräferenzen abgestimmt. Wir können selbst entscheiden, ob wir die Nachricht nur in Kurzform lesen oder ob wir die via Social Media angeteaserten und verlinkten Zeitungsartikel oder Blogartikel komplett lesen, wenn uns das Thema besonders interessiert.

Digital Leadership

Arbeit 4.0: Neues Arbeiten in Zeiten der Digitalisierung

Genauso wie sich unser Kommunikations- und Leseverhalten durch die neuen digitalen Möglichkeiten transformiert, verändert sich im Zuge dieser digitalen Transformation auch die Art und Weise, wie wir arbeiten.

Collaboration Tools wie Slack vereinfachen etwa die Kommunikation im Unternehmen. Software-Lösungen bieten Dokumentenmanagementsysteme, mit denen der Wissenstransfer im Unternehmen vereinfacht wird.

Wissen ist dadurch kein Herrschaftswissen mehr, das eifersüchtig gehütet wird, sondern es wird schnell und unkompliziert geteilt; Informationen sind frei zugänglich. Das vereinfacht die Kommunikation im Unternehmen und wird auch von außen positiv wahrgenommen, denn Kunden schätzen transparente Unternehmen.

Durch die zunehmende Vernetzung nehmen in allen Unternehmensbereichen Beweglichkeit und Geschwindigkeit zu. Doch in der derzeitigen Phase der digitalen Transformation muss in Führung und Management erst einmal mit den neuen digitalen Möglichkeiten umgegangen werden.

Intern müssen praktisch alle Aufgaben überdacht und angepasst werden; die Zusammensetzung von Teams wird verändert, neue Bereiche und Positionen entstehen.

Brainstorming Business Vision Teamwork Casual Concept

Hier ist das Management gefordert, das zur Schaffung einer neuen Unternehmenskultur eine Strategie entwickeln muss.

Digital Leadership in volatilen, unsicheren und komplexen Zeiten (VUCA)

Damit die Mitarbeiter den Wandel in der Unternehmenskultur mittragen, ist es wichtig, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitern Orientierung bei Veränderungen geben. Dazu ist es notwendig, dass sich die mit den neuen digitalen Prozessen einhergehende Agilität und Dynamik auch auf die Art und Weise der Führung überträgt.

In volatilen, unsicheren und komplexen Zeiten (VUCA) muss die Führung in der tagtäglichen Arbeit immer wieder angepasst werden, Führungskräfte müssen agil und anpassungsfähig sein, sich auf kommunikative Prozesse einlassen und permanent offen für Veränderungen sein. Dabei sollten sie stets die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter im Blick haben und diesen mehr Handlungsspielräume geben, denn, so beobachtet Leadership-Experte Lutz W. Eichler,

„wer den Kampf ums Talent gewinnen will, muss dem Talent erst einmal freie Hand lassen“.

Charakteristika agiler Führung:

  • Akzeptanz schaffen: Vorbild sein, Zuversicht wecken (Mitarbeiter muss sich mit Führungskraft identifizieren können; Glaubwürdigkeit)
  • Motivieren: Fähigkeit, begeistern zu können, Mitarbeiter inspirieren, anregen, Stimulation und Herausforderungen schaffen
  • Feedback geben: stete Rückmeldung, faire Kritik, Lob, Anerkennung, individuelle Förderung, Coaching, situationsgerechte Förderung
  • Umsetzungsstärke zeigen: ergebnisorientiert handeln, über Widerstände hinwegsetzen

Durch die Schaffung einer neuen, offeneren Kommunikationskultur im Unternehmen werden Mitarbeiter in die Lage versetzt, durch freies Denken („Thinking outside the box“) Bestehendes zu hinterfragen, neue Lösungen und Wege zu finden und Innovationen zu schaffen. In Zeiten der Digitalisierung ist das dringend notwendig, damit Unternehmen überlebensfähig bleiben.

Eine mitarbeiterorientierte Form der agilen Führung, die auf die intrinsische Motivation der Mitarbeiter vertraut, ist die zeitgemäße Alternative zu dem, was Digital Leadership-Expertin Christiane Brandes-Visbeck als die vorherrschende Command-and-Control-Kultur“  bezeichnet und die für sie den „Chef aus der Hölle“  charakterisiert.

Der erste Schritt zur Unternehmenskultur 4.0 ist also die Abkehr von veralteten Managementkonzepten und Führungsweisen und die Spiegelung der Agilität und Dynamik der in den Unternehmen zunehmenden digitalen Prozesse in einer neuen Art und Weise der Führung, dem Digital Leadership.

 

Weiterführende Lektüre:

  • Christiane Brandes-Visbeck: Create your Future: Wie Sie zum Digital Leader werden und Ihr Team zum Erfolg führen
  • Leila Summa: Digitale Führungsintelligenz: Adapt to win. Wie Führungskräfte sich und ihr Unternehmen fit für die digitale Zukunft machen
  • Holger Schmidt und Tobias Kollmann: Deutschland 4.0: Wie die Digitale Transformation gelingt
  • Tim Cole: Digitale Transformation. Warum die deutsche Wirtschaft gerade die digitale Zukunft verschläft und was jetzt getan werden muss!
  • Niels Pfläging: Führen mit flexiblen Zielen. Praxisbuch für mehr Erfolg im Wettbewerb
  • Lutz W. Eichler: Führung rockt! Wie Sie bei Ihren Mitarbeitern ein Klima für freies Denken und Innovationen schaffen
Inga Ketels

Inga Ketels

Als Online-Redakteurin betreut Inga Ketels den Scopevisio Ratgeber und ist für den Bereich Content Marketing bei Scopevisio verantwortlich. Die ausgebildete Redakteurin und Philosophin schreibt im Ratgeber über Themen wie Digitalisierung, Leadership und Neues Arbeiten. Wie verändert die Digitalisierung die Unternehmenskultur? Was ist gute Arbeit? Inga Ketels veranstaltet den zweimonatlich stattfindenden Digitalisierungstreff, ein Meetup der Bonner Digital-Szene, bei dem gesellschaftspolitische Fragestellungen rund um das Thema Digitalisierung diskutiert werden. Was sind die Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels? Wie kann man die Digitalisierung gestalten? Welche Vorteile und welche Risiken bietet die Schöne Neue Arbeitswelt?

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