Zwei Köche in der Hotellerie geben Bestellungen über ein Tablet auf

Beschaffungsprozess im Hotel: Warum er so komplex ist – und wie Scopevisio ihn vereinfacht

Thilo Burucker
9 Min.
Aktualisiert am: 16.03.2026

Hinter jeder reibungslosen Frühstücksbuffet-Bestückung, jedem frisch eingedeckten Restauranttisch und jedem sauberen Zimmer steckt ein logistisches Meisterwerk: der Beschaffungsprozess im Hotel. Was von außen simpel wirkt, ist intern ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Bedarfsmeldungen, Lieferantenbeziehungen, Lagerbewirtschaftung und Buchhaltung – oft quer über mehrere Outlets und Kostenstellen hinweg. Dieser Artikel erklärt, warum der Beschaffungsprozess in der Hotellerie so besonders ist – und wo Scopevisio die entscheidenden Hebel ansetzt.

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Defintion: Was versteht man unter Beschaffungsprozess?
Ein Beschaffungsprozess ist die strukturierte Abfolge von Aktivitäten, mit der ein Unternehmen benötigte Güter, Dienstleistungen oder Ressourcen von externen Lieferanten identifiziert, auswählt und bezieht. Er umfasst typischerweise die Bedarfsermittlung, Lieferantenauswahl, Angebotseinholung, Vertragsverhandlung, Bestellung und Wareneingangskontrolle. Ziel ist es, den Bedarf zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Menge und Qualität und zu optimalen Konditionen zu decken.

Die Situation im Hotel-Alltag

In einem mittelgroßen Hotel mit Küche, Restaurant, Bar, Housekeeping und Wellnessbereich laufen täglich Dutzende von Bedarfsmeldungen ein. Jede Küchenhilfe, die Mehl bestellt, jeder Barkeeper, der Gläser nachfordert, jede Reinigungskraft, die Verbrauchsmaterial anfordert – sie alle erzeugen Bedarfsanforderungen, die koordiniert, gebündelt, bestellt, geliefert, eingelagert, ausgegeben und schließlich kontiert werden müssen.

Zwei Köche im Hotel-Restaurant organisieren den Beschaffungsprozess per Tablet.

Das klingt nach Routine. Ist es aber nicht – zumindest nicht, wenn man es ohne integrierte Softwareunterstützung angeht.

Das Kernproblem in der Praxis

Hotels beschaffen täglich Waren für mehrere, voneinander unabhängige Bereiche. Die Bestellungen werden oft zusammengefasst – bei einem Großlieferanten wie Chefs Culinar oder bei lokalen Lieferanten – um bessere Konditionen zu erzielen. Das führt dazu, dass in einer einzigen Bestellung Waren für die Küche, das Restaurant, die Bar und das Housekeeping landen. Erst bei der tatsächlichen Entnahme aus dem Lager – der Kommissionierung – wird klar, wer was wirklich verbraucht hat. Genau hier entstehen die klassischen Schwachstellen: Welche Kostenstelle trägt welchen Anteil? Wie lässt sich das nachvollziehbar buchen? Und wie verhindert man, dass Buchhaltung und Lagerverwaltung auseinanderlaufen?

Welche Schritte umfasst der Beschaffungsprozess in der Hotellerie?

Die Schritte des Beschaffungsprozesses in der Hotelliere umfassen in der Regel: (1) Bedarfsanforderung (BANF), (2) Bestellkonsolidierung, (3) Bestellung beim Lieferanten, (4) Wareneingang & Lagerbuchung, (5) Rechnungseingang & 3-Wege-Abgleich, (6) Einlagerung, (7) Kommissionierung mit Kostenstellen-Zuordnung, (8) Zahlung.

Jeder Schritt involviert unterschiedliche Abteilungen – von Küche und Bar über Lager bis zur Buchhaltung. Hier die Details:

SchrittWas passiertWer ist beteiligt
1. Bedarfsanforderung (BANF)Mitarbeiter meldet Bedarf über die App oder das System. Kostenstelle wird automatisch aus dem Organigramm übernommen.Küche, Restaurant, Bar, Housekeeping
2. BestellkonsolidierungEinkauf fasst mehrere BANFs zu einer entsprechenden Bestellung zusammen – an einen oder wenige Lieferanten.Einkauf / Controlling
3. BestellungBestellung geht beim Lieferanten ein. Artikel aus verschiedenen Kostenstellen in einer Bestellung.Einkauf / Lieferant
4. WareneingangWare wird geliefert, Lieferschein wird erfasst. Buchung nur in der Warenwirtschaft (WaWi). Noch keine Kostenstelle.Lager / Wareneingang
5. RechnungseingangEingangsrechnung wird mit Bestellung und Lieferschein abgeglichen (3-Wege-Abgleich). Buchung nur in FiBu.Buchhaltung
6. EinlagerungWare ins Lager – Bestand steigt, Kosten noch ohne KST-Zuordnung.Lager
7. KommissionierungEntnahme aus dem Lager für den tatsächlichen Verbrauch. Hier wird die Kostenstelle final gesetzt.Küche, Restaurant, Bar etc.
8. ZahlungVerbindlichkeit wird beglichen. Abschlussbuchung in der FiBu.Buchhaltung / Zahlungsverkehr

Warum gilt im Beschaffungsprozess: Besteller ≠ Verbraucher?

In der Hotellerie gilt ein Grundsatz, der auf den ersten Blick trivial erscheint, in der Buchhaltungspraxis aber enorme Konsequenzen hat: Besteller ≠ Verbraucher. Warum? Weil der Besteller typischerweise der Einkaufsleiter oder der F&B-Manager ist und nicht die Person, die die Ware letztlich nutzt oder verbraucht.

Bei letzterer entsteht jedoch der Bedarf und die Bedarfsanforderung. Eine Bedarfsanforderung (BANF) wiederum gehört immer zu genau einer Kostenstelle – nämlich der des anfragenden Mitarbeiters, die automatisch aus dem Organigramm übernommen wird. Sobald aber mehrere BANFs zu einer Bestellung zusammengefasst werden, vermischen sich die Kostenstellen.

Beispiel: Der Einkäufer bestellt bei Chefs Culinar 15 kg Mehl, 20 l Öl, 50 Gläser und Reinigungsmittel – in einer Bestellung. Die Küche hat das Mehl angefordert, das Restaurant die Gläser, das Housekeeping den Reiniger.

Welche Kostenstelle trägt was? Die Antwort: Das weiß man erst bei der Kommissionierung – wenn die Ware tatsächlich aus dem Lager entnommen wird. Erst dann ist klar, wer wie viel verbraucht hat. Das ist aber nur einer der Punkte, der den Beschaffungsprozess komplex und fehleranfällig macht.

Warum scheitert der Beschaffungsprozess ohne integrierte Software?

Viele Hotels versuchen diese Komplexität mit einem Mix aus separaten Systemen zu bewältigen: ein Warenwirtschaftssystem hier, ein Buchhaltungsprogramm dort, dazwischen Excel-Listen und manuelle Umbuchungen. Das Ergebnis:

  • Doppelerfassung: Jede Lieferung wird sowohl im Lager als auch in der Buchhaltung manuell eingetippt und dabei nach bestimmten Markmalen summiert
  • Fehlende Kostenstellen-Transparenz: Wer hat was wirklich verbraucht – bleibt unklar oder muss aufwendig nachgepflegt werden
  • Hoher Klärungsaufwand zwischen WaWi und FiBu – oft wochenlange Abstimmungen am Monatsende
  • Fehleranfällige Rechnungsprüfung ohne automatischen Abgleich mit Bestellung und Lieferschein
  • Kein Echtzeit-Controlling der Wareneinsatzquote pro Outlet oder Kostenstelle
  • Inventuren, die Tage dauern und trotzdem keine belastbaren Zahlen für die Bilanz liefern

Der entscheidende Engpass ist die fehlende Integration zwischen Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung. Beide Systeme brauchen unterschiedliche Informationsebenen – und genau dafür braucht es eine Lösung, die beides in einem Datenmodell vereint.

Hinzu kommt die Lieferantenvielfalt: Viele Hotels beziehen Waren bei einem zentralen Großlieferanten wie Chefs Culinar und ergänzen das Sortiment durch lokale Lieferanten – den regionalen Fleischer, die Bäckerei um die Ecke oder den lokalen Getränkehändler. Je mehr Lieferanten im Spiel sind, desto schwieriger wird es ohne integriertes System, Wareneingänge und Rechnungen korrekt zuzuordnen und nachzuvollziehen, welche Kostenstelle welchen Anteil tragen muss.

Wie Scopevisio die Probleme im Beschaffungsprozess löst

Scopevisio verbindet Warenwirtschaft (WaWi) und Finanzbuchhaltung (FiBu) in einer einzigen Plattform – mit einer durchdachten Buchungslogik, die genau auf die Realität der Hotellerie ausgelegt ist.

1. Automatische Kostenstellen-Zuordnung aus dem Organigramm

Wenn Mitarbeiterin Maria in der Küche Mitte eine Bedarfsanforderung stellt, wird ihre Kostenstelle (z. B. KST M-100) automatisch aus dem Scopevisio-Organigramm übernommen. Kein manuelles Ausfüllen, keine Fehlerquelle. Die BANF ist sofort einer Kostenstelle zugeordnet.

2. Bestellkonsolidierung ohne Kontenverlust

Mehrere BANFs werden vom Einkauf zu einer Bestellung an ausgewählte Lieferanten zusammengefasst – zum Beispiel an Chefs Culinar oder einen geeigneten lokalen Lieferanten. Scopevisio merkt sich die ursprünglichen Kostenstellen-Zuordnungen jeder Bestellposition, auch wenn sie jetzt in einer gemeinsamen Bestellung stehen.

3. Wareneingang und Rechnungseingang: getrennte Buchungskreise

Scopevisio arbeitet mit zwei parallelen Buchungsebenen:

  • Wareneingang:  Nur Warenwirtschaft – Bestand steigt, noch ohne Kostenstelle
  • Rechnungseingang:  Nur FiBu – Verbindlichkeit entsteht, 3-Wege-Abgleich automatisch

Beide Buchungskreise laufen parallel und sind miteinander verknüpft, ohne sich gegenseitig zu blockieren.

4. Kostenstellen-Buchung erst bei der Kommissionierung

Der entscheidende Moment: Wenn das Lager die Ware an die Kostenstelle ausgibt, setzt Scopevisio automatisch die Kostenstelle auf die WaWi-Buchung. Jetzt ist klar: Küche Mitte hat 7 kg Mehl verbraucht (KST M-100), das Restaurant 2 kg (KST C-200) – auch wenn ursprünglich anders geplant war.

5. Lieferanten flexibel einbinden

Ob Chefs Culinar als zentraler Großlieferant oder lokale Lieferanten für Frischware und Spezialitäten – Scopevisio verwaltet alle Lieferantenbeziehungen zentral. Preislisten, Lieferbedingungen und Bestellhistorien sind jederzeit abrufbar und fließen direkt in den automatischen 3-Wege-Abgleich ein.

Beschaffungsprozess mit Scopevisio: die Vorteile im Überblick

MerkmalScopevisio-Vorteil
Kostenstellen-LogikAutomatisch aus Organigramm – kein manueller Aufwand
3-Wege-AbgleichBestellung, Lieferschein und Rechnung werden automatisch geprüft
BuchungstiefeFiBu summarisch, WaWi detailliert – optimal für alle Anforderungen
WarengruppenBestandskonten werden automatisch aus Warengruppe abgeleitet
KommissionierungKostenstelle erst bei tatsächlichem Verbrauch – maximale Genauigkeit
TransparenzFiBu- und WaWi-Buchungen gemeinsam im Journal einsehbar
LieferantenmanagementChefs Culinar, lokale Lieferanten und alle Stammdaten zentral verwaltet

Für Hotels, die bereits mit mehreren Lieferanten arbeiten – dem zentralen Vollsortimenter für Grundware und lokalen Spezialisten für Frischprodukte oder Regionalerzeugnisse – bietet Scopevisio einen weiteren Vorteil: Alle Lieferanten werden im selben System verarbeitet. Preislisten, Mindestbestellmengen, Lieferbedingungen und Bestellhistorien sind jederzeit abrufbar und fließen direkt in Bestellvorschläge. Alle sichtbaren Informationen beantworten damit die Frage: Wer benötigt was innerhalb welcher Zeit und welche Bestellungen sind noch offen.

Fazit: Integriert beschaffen – integriert buchen

Der Beschaffungsprozess in der Hotellerie ist komplex, aber beherrschbar – wenn das richtige Beschaffungsmanagement-System im Einsatz ist. Scopevisio bietet die vollständige Integration von Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung in einer Plattform und deckt damit den gesamten Purchase-to-Pay-Prozess (P2P) ab – zugeschnitten auf die Realität von Hotels mit mehreren Outlets, verschiedenen Kostenstellen und einer Mischung aus Großlieferanten wie Chefs Culinar und lokalen Lieferanten.

Was das in der Praxis bedeutet: Der Einkäufer erstellt Bestellungen, das Lager bucht den Wareneingang, die Buchhaltung prüft die Rechnung in unter einer Minute per 3-Wege-Abgleich, und am Monatsende liefert Scopevisio den vollständigen Wareneinsatz-Report – ohne eine einzige manuelle Umbuchung zwischen Systemen.

Das Ergebnis: Weniger manuelle Arbeit, weniger Fehler, mehr Kontrolle – und ein Wareneinsatz-Controlling, das wirklich stimmt. Hotels, die Scopevisio Finanzen bereits nutzen, haben dabei einen entscheidenden Vorteil: Kostenstellen, Organigramm und Buchungskonten sind bereits hinterlegt. Die Erweiterung um die integrierte Warenwirtschaft ist damit kein großes Projekt, sondern ein nahtloser nächster Schritt.

FAQs rund um den Beschaffungsprozess

Der größte Hebel ist die Integration von Warenwirtschaft (WaWi) und Finanzbuchhaltung (FiBu) in einem System. Damit entfallen manuelle Umbuchungen, der 3-Wege-Abgleich läuft automatisch, und die Kostenstellen-Zuordnung erfolgt direkt aus dem Organigramm – ohne Doppelerfassung.

Beide Begriffe beschreiben denselben Prozess: die vollständige Abwicklung vom Einkauf bis zur Zahlung. Für beide wird das Kürzel P2P verwendet.. „Procure-to-Pay“ (P2P) wird manchmal etws breiter verstanden, insofern auch die strategische Beschaffungsseite inklusive Lieferantenauswahl mit eingeschlossen wird, während „Purchase-to-Pay“ häufiger für die operative, transaktionale Abwicklung verwendet wird.

Bei der Just-in-Time-Beschaffung werden Waren – insbesondere Frischprodukte – erst dann bestellt, wenn der konkrete Bedarf besteht. Das minimiert Lagerkosten und Verderb, erfordert aber zuverlässige Lieferanten und ein System, das Bedarfsmeldungen in Echtzeit verarbeiten kann.

Elektronische Beschaffung bezeichnet die vollständig digitalisierte Abwicklung aller Beschaffungsschritte – von der digitalen Bedarfsanforderung über automatische Bestellauslösung bis zur elektronischen Rechnungsverarbeitung. Sie reduziert Durchlaufzeiten, minimiert Fehlerquellen und schafft lückenlose Transparenz über alle Kostenstellen.

Beim 3-Wege-Abgleich werden drei Dokumente automatisch gegeneinander geprüft: die ursprüngliche Bestellung, der Lieferschein beim Wareneingang und die eingehende Rechnung. Stimmen Menge, Preis und Lieferbedingungen überein, wird die Rechnung automatisch zur Zahlung freigegeben – ohne manuelle Prüfung.

Thilo Burucker

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