Unternehmenskultur im Wandel

Nicht jeder Mitarbeiter bricht in Jubelschreie aus, wenn er plötzlich keinen festen Schreibtisch mehr hat und sich seine Arbeitszeit flexibel einteilen soll oder er sich gar ins Home Office „abgeschoben“ fühlt. Wenn die Stechuhr einer mobilen Zeiterfassung weicht, die der Mitarbeiter in Eigenverantwortung ausfüllen muss. Oder wenn sich Projektteams plötzlich selbst organisieren müssen und kein Vorgesetzter die einzelnen Schritte und Aufgaben verteilt.

Arbeitsplatz und Arbeitszeit werden flexibel

Mit solchen Veränderungen, die neue Arbeit mit sich bringt, geht zunächst ein Stück Vertrautheit und Gewohnheit verloren, das Mitarbeitern auch Halt gibt. Gleichzeitig steigern flexible Formen der Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung auch die Attraktivität eines Unternehmens. Denn sie erhöhen das Maß an Selbstbestimmung und Freiheit und verbessern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Gerade für Unternehmen, die unter dem Fachkräftemangel leiden, können flexible Konzepte der Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung positive Anreize schaffen. Oft finden sie sich etwa in Stellenanzeigen wieder. Nicht selten werden sie auch von den Bewerbern gefordert: „Flexible Arbeitszeiten haben in vielen Gesprächen einen hohen Stellenwert“, so Frank Schabel vom Personalvermittler Hays.

Arbeit 4.0 = Wandel der Unternehmenskultur

Fakt ist: Neue Arbeit ist auch immer mit einem Kulturwandel verbunden. Daher sehen auch rund 62 Prozent der befragten Mitarbeiter laut Sipgate-Studie eine Veränderung der Unternehmenskultur als einen wichtigen Bestandteil von New Work.

Dieser Wandel äußert sich meist sichtbar in einer neuen Architektur, Büro- und Raumgestaltung, zum Beispiel durch Open Spaces und interaktive Meeting-Räume. Den oftmals mit persönlichen Dingen überfrachteten Schreibtischen weichen leere und klare Arbeitsplätze, die nur über die notwendigen technischen Anschlüsse für Laptop, Tablet und Smartphone verfügen. Ebenso verstärkt zum Einsatz kommen auch Stehpulte, die mehr körperliche Abwechslung in den Büroalltag bringen und damit die Gesundheit fördern.

Rückzugsmöglichkeiten

Die Bürogestaltung für neue Arbeitsplatzkonzepte zeichnet sich auch durch Rückzugsmöglichkeiten und „Relaxing-Areas“ ebenso wie Kreativ-Spots aus. Denn neue Arbeit soll ja auch Innovation fördern. Sie kennen sicher die Bilder der hippen Bürolandschaften von Konzernen wie Google, Microsoft oder der Telekom, die zusätzlich mit Wohlfühl- und Wellnessangeboten locken. Manche Firmen beschäftigen sogar Feelgood-Manager.

Home Office
Ein wenig Zuspruch kann Wunder wirken

Inwieweit Mitarbeiter bespaßt werden sollen oder wollen – daran scheiden sich die Geister. Dass aber das Wohlbefinden am Arbeitsplatz Auswirkungen auf die Arbeitsleistung hat, ist unbestritten.

Dabei geht es in erster Linie um ein positives soziales und physisches Arbeitsumfeld. Ob dazu immer ein Kicker aufgestellt werden muss, ist fraglich. Allerdings fallen gestalterische Lieblosigkeit und billige Materialien bei Mitarbeitern durchaus negativ auf – denn Räume senden immer auch Botschaften aus.

Kleine, aber durchaus teamfördernde Mittel dagegen sind zum Beispiel Bereiche, die auch als Meeting-, Kommunikations- und Relax-Zonen genutzt werden können.

Arbeit und Freizeit verschwimmen

Allerdings gibt es dazu auch kritische Stimmen. So warnen Burn-out-Experten davor, die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit allzu sehr verschwimmen zu lassen. Denn Überlastung ist unweigerlich vorprogrammiert, wenn Mitarbeiter Tag und Nacht im Büro verbringen – auch wenn dort zwischendurch am Tischfußball Kicker gespielt wird.

Der ehemalige Personalmanager und jetzige Beststellerautor Reinhard Sprenger etwa („Mythos Motivation“), hält Massagesessel und Tischfußball für „Wohlfühlklimbim“ und bezweifelt, dass echte Motivation von außen stimuliert werden kann.

Weniger Kontrolle, mehr Vertrauen

Auf den ersten Blick weniger sichtbar, aber ebenso wichtig: Neue Arbeit nimmt auch Einfluss auf die Führungskultur. Etwa, wenn der Chef plötzlich nicht mehr in seinem Chefsessel, sondern am Schreibtisch nebenan sitzt.

Wenn klassische Organisationsformen in Unternehmen wie Linien- oder Matrixorganisationen zugunsten von agilen Strukturen und Arbeitsweisen aufgebrochen werden.

Wenn die Kontrolle abnimmt und das Vertrauen steigt, wirkt sich das automatisch meist auch auf die Erwartungshaltung aus. Hier entsteht dann leicht ein Dilemma: Und zwar, wenn, Mitarbeiter einerseits die Grundbedingungen ihrer Arbeit – das Wie, Wann, Wo und Warum – (mit-)bestimmen und andererseits die Geschäftsführung zunehmend Kreativität im Job und (faktisch) ständige Verfügbarkeit und Vernetzung fordert.

Manch einer fühlt sich da zu sehr gefordert und zu schlecht geführt. In solchen Fällen kann das Modell der flachen Hierarchien und selbstorganisierenden Teams eine Lösung sein. Diese bringen Fordern und Fördern in Einklang.

Wandel der Unternehmenskultur begleiten

Wie können Sie also den Kulturwandel am besten begleiten? Indem Sie und Ihre Mitarbeiter ihn gemeinsam begehen – durch eine offene Kommunikation und Partizipation.

Je besser alle Betroffenen über Veränderungen informiert und mit in die Entscheidungen einbezogen werden, desto leichter fällt die Umstellung. Lenen Sie durch Mitarbeiterbefragungen, Projektteams, das Intranet und Newsletter die Wünsche Ihrer Mitarbeiter kennen und berücksichtigen Sie diese. Außerdem sollten die Mitarbeiter ständig über den aktuellen Stand der Umsetzung informiert werden.

Fazit

Flexible Arbeitsmodelle und autonome Teams funktionieren nur, wenn sich auch die Unternehmenskultur wandelt. Chefs müssen sich von der traditionellen Linienorganisation verabschieden. Hierarchien werden eingeebnet. Der einzelne Mitarbeiter erhält mehr Verantwortung und Gestaltungspielraum.

Ein solch tiefgreifender Wandel ist nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen. Daher ist es eminent wichtig, die Mitarbeiter mit ins Boot zu nehmen und gemeinsam auf Augenhöhe zu entscheiden, wie das „Neue Arbeiten“ angepackt werden soll.

Digital Leadership – Unternehmenskultur 4.0

Digitalisierung bedeutet mehr als die Vernetzung der Fabriken, die durch das Schlagwort Industrie 4.0 derzeit überall propagiert wird. Längst geht es nicht mehr nur um Technik, sondern um Lebensformen. Technologischer Wandel geht mit sozialen Veränderungen einher.

Die digitale Transformation erfasst inzwischen alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Sie verändert die Art und Weise wie wir miteinander kommunizieren, wie wir Daten austauschen und Informationen gewinnen.

Während wir Digitalisierung und Vernetzung mittlerweile als festen Bestandteil unseres Alltags erleben, tun sich Unternehmen jedoch oftmals schwer, diese als Teil ihrer Unternehmenskultur zu verstehen und in ihre Strategie zu integrieren. Sie halten an alten Geschäftsmodellen und Managementkonzepten fest, die lange vor der digitalen Transformation entwickelt wurden.

Veraltete Organisationsstrukturen und Hierarchien prägen den Alltag in den Unternehmen. Um eine Unternehmenskultur 4.0 zu schaffen, ist jedoch ein zeitgemäßer Digital Leadership nötig.

Wie die Digitalisierung unseren Alltag verändert

Digitalisierung und Vernetzung spielen in Zeiten des Internets in allen Lebensbereichen eine immer größere Rolle. Social-Media-Dienste ermöglichen es uns, schnell und unkompliziert Text-, Sprach-, Bild- und Videonachrichten auszutauschen. Mithilfe von Filehosting-Diensten wie Dropbox können wir leicht auch größere Dateien anderen zugänglich machen. In Zukunft wird die Kommunikation mehr und mehr durch das Internet bestimmt sein.

Der Wandel hat auch die Medienwelt und die Art und Weise, wir wir uns informieren, erfasst. Über den täglichen Newsfeed bei Twitter und Facebook erfahren wir über das Internet schon morgens in der U-Bahn, was in der Welt da draußen gerade geschieht. Mit dem Smartphone stets in Reichweite können wir uns den ganzen Tag über mit einem Klick auf dem Laufenden halten.

Durch den dem Newsfeed zugrundeliegenden Algorithmus sind die Nachrichten auf unsere persönlichen Lesepräferenzen abgestimmt. Wir können selbst entscheiden, ob wir die Nachricht nur in Kurzform lesen oder ob wir die via Social Media angeteaserten und verlinkten Zeitungsartikel oder Blogartikel komplett lesen, wenn uns das Thema besonders interessiert.

Digital Leadership

Arbeit 4.0: Neues Arbeiten in Zeiten der Digitalisierung

Genauso wie sich unser Kommunikations- und Leseverhalten durch die neuen digitalen Möglichkeiten transformiert, verändert sich im Zuge dieser digitalen Transformation auch die Art und Weise, wie wir arbeiten.

Collaboration Tools wie Slack vereinfachen etwa die Kommunikation im Unternehmen. Software-Lösungen bieten Dokumentenmanagementsysteme, mit denen der Wissenstransfer im Unternehmen vereinfacht wird.

Wissen ist dadurch kein Herrschaftswissen mehr, das eifersüchtig gehütet wird, sondern es wird schnell und unkompliziert geteilt; Informationen sind frei zugänglich. Das vereinfacht die Kommunikation im Unternehmen und wird auch von außen positiv wahrgenommen, denn Kunden schätzen transparente Unternehmen.

Durch die zunehmende Vernetzung nehmen in allen Unternehmensbereichen Beweglichkeit und Geschwindigkeit zu. Doch in der derzeitigen Phase der digitalen Transformation muss in Führung und Management erst einmal mit den neuen digitalen Möglichkeiten umgegangen werden.

Intern müssen praktisch alle Aufgaben überdacht und angepasst werden; die Zusammensetzung von Teams wird verändert, neue Bereiche und Positionen entstehen.

Brainstorming Business Vision Teamwork Casual Concept

Hier ist das Management gefordert, das zur Schaffung einer neuen Unternehmenskultur eine Strategie entwickeln muss.

Digital Leadership in volatilen, unsicheren und komplexen Zeiten (VUCA)

Damit die Mitarbeiter den Wandel in der Unternehmenskultur mittragen, ist es wichtig, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitern Orientierung bei Veränderungen geben. Dazu ist es notwendig, dass sich die mit den neuen digitalen Prozessen einhergehende Agilität und Dynamik auch auf die Art und Weise der Führung überträgt.

In volatilen, unsicheren und komplexen Zeiten (VUCA) muss die Führung in der tagtäglichen Arbeit immer wieder angepasst werden, Führungskräfte müssen agil und anpassungsfähig sein, sich auf kommunikative Prozesse einlassen und permanent offen für Veränderungen sein. Dabei sollten sie stets die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter im Blick haben und diesen mehr Handlungsspielräume geben, denn, so beobachtet Leadership-Experte Lutz W. Eichler,

„wer den Kampf ums Talent gewinnen will, muss dem Talent erst einmal freie Hand lassen“.

Charakteristika agiler Führung:

  • Akzeptanz schaffen: Vorbild sein, Zuversicht wecken (Mitarbeiter muss sich mit Führungskraft identifizieren können; Glaubwürdigkeit)
  • Motivieren: Fähigkeit, begeistern zu können, Mitarbeiter inspirieren, anregen, Stimulation und Herausforderungen schaffen
  • Feedback geben: stete Rückmeldung, faire Kritik, Lob, Anerkennung, individuelle Förderung, Coaching, situationsgerechte Förderung
  • Umsetzungsstärke zeigen: ergebnisorientiert handeln, über Widerstände hinwegsetzen

Durch die Schaffung einer neuen, offeneren Kommunikationskultur im Unternehmen werden Mitarbeiter in die Lage versetzt, durch freies Denken („Thinking outside the box“) Bestehendes zu hinterfragen, neue Lösungen und Wege zu finden und Innovationen zu schaffen. In Zeiten der Digitalisierung ist das dringend notwendig, damit Unternehmen überlebensfähig bleiben.

Eine mitarbeiterorientierte Form der agilen Führung, die auf die intrinsische Motivation der Mitarbeiter vertraut, ist die zeitgemäße Alternative zu dem, was Digital Leadership-Expertin Christiane Brandes-Visbeck als die vorherrschende Command-and-Control-Kultur“  bezeichnet und die für sie den „Chef aus der Hölle“  charakterisiert.

Der erste Schritt zur Unternehmenskultur 4.0 ist also die Abkehr von veralteten Managementkonzepten und Führungsweisen und die Spiegelung der Agilität und Dynamik der in den Unternehmen zunehmenden digitalen Prozesse in einer neuen Art und Weise der Führung, dem Digital Leadership.

 

Weiterführende Lektüre:

  • Christiane Brandes-Visbeck: Create your Future: Wie Sie zum Digital Leader werden und Ihr Team zum Erfolg führen
  • Leila Summa: Digitale Führungsintelligenz: Adapt to win. Wie Führungskräfte sich und ihr Unternehmen fit für die digitale Zukunft machen
  • Holger Schmidt und Tobias Kollmann: Deutschland 4.0: Wie die Digitale Transformation gelingt
  • Tim Cole: Digitale Transformation. Warum die deutsche Wirtschaft gerade die digitale Zukunft verschläft und was jetzt getan werden muss!
  • Niels Pfläging: Führen mit flexiblen Zielen. Praxisbuch für mehr Erfolg im Wettbewerb
  • Lutz W. Eichler: Führung rockt! Wie Sie bei Ihren Mitarbeitern ein Klima für freies Denken und Innovationen schaffen