Mit Software gegen Fachkräftemangel

Die Nachrichten sind alarmierend: „Fachkräftemangel wird für Deutschland zum Umsatz-Killer“ titelt die Welt am 5. November; „Fachkräftemangel bremst Deutschlands Mittelständler“ legen die Stuttgarter Nachrichten nach.

Grundlage ist eine Studie, deren Ergebnisse kaum überraschen: Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK unter 800 mittelständischen Unternehmen in Deutschland zeigt, dass es brennt auf dem deutschen Arbeitsmarkt. 97 Prozent der Unternehmen finden nicht genügend qualifizierte Bewerber. 88 Prozent empfinden den Markt gar als „leergefegt“.

Fachkräftemangel kostet Umsatz

Der Fachkräftemangel hat weitreichende Folgen für die Wirtschaft. Investitionen werden verschoben, Projekte abgeblasen, Termine überschritten und Aufträge abgelehnt. 28 Prozent der Firmen verzichten auf Umsatz – und das trotz erheblicher Überstunden der vorhandenen Belegschaften.

Zukunftsinvestitionen scheitern am Fachkräftemangel

Ausgerechnet die digitale Transformation entwickelt sich zur Hängepartie. Wegen des Mitarbeitermangels verschieben viele Firmen ihre Digitalisierungsprojekte oder IT-Investitionen. Dabei sind diese Bereiche absolut zukunftsentscheidend. In vielen Branchen entscheidet der Grad der Digitalisierung und Automatisierung darüber, welches Unternehmen im Wettbewerb besteht und welches nicht. Wer heute seine IT-Investitionen aufschiebt, kann schon morgen große Probleme bekommen.

Kaum verwunderlich: IT-Spezialisten sind besonders begehrt – und besonders rar. 29 Prozent der großen Mittelständler, die unter Fachkräftemangel leiden, konnten aus diesem Grund IT-Projekte nicht umsetzen. 

IT Fachkräfte

Der Wettbewerb um die besten Köpfe treibt die Löhne nach oben. Kleinere Unternehmen leiden darunter stärker als große. Denn sie können die von anderen Unternehmen angebotenen Löhne nicht bezahlen.

Unternehmen nicht attraktiv genug

Rund die Hälfte der Befragten stellen fest, dass die Suche nach Talenten gar nicht an den Gehaltsvorstellungen scheitert. Stattdessen sei ihr Unternehmen wohl nicht attraktiv genug.

Fast ebenso viele Unternehmen sehen in ihrem abgelegenen Standort eine Ursache für die Recruiting-Probleme. Begehrte Fachkräfte können aus mehreren Stellenangeboten wählen. Da zieht so mancher lieber nach Stuttgart als in die Schwäbische Alb.

Attraktivität als Arbeitgeber steigern

Wenn die Firmen schon erkannt haben, dass ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu wünschen übriglässt, dann sollten sie etwas dagegen tun. Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung.

Arbeitsplatz
Ist die Software up-to-date?

 

Um die eigene Attraktivität zu steigern lohnt es sich, zu fragen, was moderne Arbeitnehmer wollen.

Was wollen Arbeitnehmer?

Eine Studie eines Büromöbelherstellers fand heraus, dass sich die Arbeitnehmer ergonomischere Arbeitsplätze wünschen. Die IG-Metall ermittelte mit einer groß angelegten Befragung, dass Beschäftigte kürzere Arbeitszeiten wollen und sich für Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz kaum interessieren. Softwarehersteller finden heraus, dass sich Arbeitnehmer über veraltete Software beschweren. Und Elternverbände stellen fest, dass mehr Home Office und Teilzeitmodelle ein Schritt in die richtige Richtung sind. Der Verband der Physiotherapeuten schwört auf Massagen am Arbeitsplatz. Cui bono? fragt sich da der aufmerksame Leser.

Die folgenden Erkenntnisse stammen aus verlässlichen, neutralen Quellen.

Generation Y will Selbstverwirklichung

Anders als der DGB berichten neutrale Studien, dass die Generation Y mehr Wert auf sinnerfülltes Arbeiten, Freiräume, Familienfreundlichkeit und Selbstverwirklichung legt als frühere Generationen. Die jungen Leute finden Konzept für Neues Arbeiten gut.

Lob und Anerkennung

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Gute Mitarbeiter freuen sich über Lob und Anerkennung. Incentives binden wertvolle Talente an Ihr Unternehmen. Wer Wertschätzung erfährt, lässt sich nicht so leicht abwerben.

Der Führungsstil sollte nicht autoritär sein, sondern die Mitarbeiter fördern und motivieren. Offenes Lob, aber auch konstruktive Kritik, sind dabei wichtig. Auch geldwerte Incentives kommen in Betracht, zum Beispiel ein Bonus, eine Urlaubsbeihilfe oder ein Dienstwagen. Gemeinsame Betriebsfeiern und Ausflüge stärken den Zusammenhalt.

Urlaub und Weiterbildung

Genügend Urlaub steht bei vielen Arbeitnehmern weit oben auf der Wunschliste. Die wenigsten würden für einen neuen Arbeitgeber auf Urlaub verzichten. Auch Weiterbildung steht hoch im Kurs, dient sie doch der persönlichen Weiterentwicklung und zeigt, dass der Chef sich für den Mitarbeiter interessiert. Fast 90 Prozent der Arbeitnehmer würden sich über eine Weiterbildung freuen, aber nur knapp die Hälfte bekommt tatsächlich eine angeboten.

Flexible Arbeitszeiten und Familienfreundlichkeit

Arbeitnehmer möchten ihre schmale Freizeit nicht auch noch im Stau verbringen. Flexible Arbeitszeitmodelle geben den Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten auf ihre Bedürfnisse abzustimmen: Außerhalb der Stoßzeiten zur Arbeit fahren, in der Familienphase die Arbeitszeit reduzieren, gelegentlich auch einmal im Home-Office arbeiten, die Hobbies mit der Arbeit in Einklang bringen – immerhin rund drei Viertel der Arbeitnehmer hegen diese nachvollziehbaren Wünsche.

Eine wahre Geschichte: Mitten im größten IT-Fachkräftemangel fand eine erfahrene Informatikerin, ihres Zeichens Datenbankadministratorin, keine Arbeit. Warum? Weil sie ein Kind bekommen hatte und nur 30 Stunden zur Verfügung stehen konnte. Wer als Arbeitgeber solche Bewerber ziehen lässt, hat das Recht verwirkt, einen Fachkräftemangel zu beklagen.

Geld macht nicht glücklich

…aber es beruhigt, sagt eine Volksweisheit. Faire Bezahlung sollte selbstverständlich sein. Das bedeutet: Sie sollten bei der Entlohnung im Branchenvergleich mindestens im Mittelfeld liegen.

Stärken betonen, Schwächen kompensieren

In der Realität hängt es stark von Branche, Standort und der eigenen Firmenkultur ab, welche Arbeitsmodelle die Attraktivität Ihrer Firma als Arbeitgeber steigern können. Werfen Sie doch einmal einen Blick darauf, was Sie haben und was Ihnen fehlt. Dann können Sie bei der Personalsuche Ihre Stärken besser ins Licht rücken und Ihre Schwächen kompensieren.

  • Haben Sie einen attraktiven Standort und eine gute IT-Ausstattung? Dann könnten mehr Flexibilität und bessere Löhne die Antwort sein.
  • Ist Ihre Branche unattraktiv und Ihre Firmenzentrale in Posemuckel? Dann können Sie vielleicht mit einer tollen Arbeitsplatz-Ausstattung, gutem Betriebsklima und einem Betriebskindergarten punkten.
  • Suchen Sie verzweifelt IT-Personal und können es in hundert Kilometer Umkreis nicht finden? Dann verwenden Sie doch Cloud-Software und sparen Sie sich das Personal für Wartung und Administration eigener Server!
  • Brauchen Sie mehr Wirtschaftsinformatiker, Marketing-Leute, Betriebswirte, Logistik-Fachkräfte? Dann bilden Sie doch selbst welche aus. Viele Studierende in dualen Studiengängen freuen sich über eine Chance.

Software als Helfer in der Not

Und jetzt folgt das unvermeidliche Lob der aktuellen Software. Denn nach wie vor schöpfen die meisten Unternehmen die Effizienzpotenziale etwa eines ERP-Systems oder einer Cloud-Lösung nicht komplett aus.

Cloud bringt die Arbeit zum Mitarbeiter

Dabei kann Cloud-Software ein kleines Wunder vollbringen: Wenn der Mitarbeiter nicht zur Firma kommen kann, bringt sie die Firma zum Mitarbeiter. So kann ein deutsches Unternehmen beispielsweise einen Entwickler auf den Philippinen beschäftigen. Nicht etwa per Outsourcing, sondern als Angestellten.

e-Collaboration für Job Sharing

Moderne ERP-Systeme machen Workflows stabil, Prozesse transparent und Informationen zugänglich. In einem solchen Umfeld ist es kein Problem mehr, eine Arbeitsstelle auf zwei oder mehr Personen aufzuteilen.

ERP-Software, CRM und Dokumentenmanagementsysteme bilden eine ideale Plattform für die elektronische Zusammenarbeit, neudeutsch: eCollaboration. Die Informationen fließen nahtlos von einer Kollegin zur nächsten. Die kann dann ihre Arbeit genau dort aufnehmen, wo ihre Job Sharing-Partnerin aufgehört hat.

Arbeit 4.0 – nur langsame Fortschritte

Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten für dezentrales, vernetztes Arbeiten – eben Arbeit 4.0. Aber sie bedingt auch einen Kulturwandel in Unternehmen. Am 20. September 2017 wurden auf der Messe Zukunft Personal in Köln die Ergebnisse der Studie Arbeitsplatz der Zukunft 2017 der Öffentlichkeit präsentiert. Der Fachverlag IDG Business Media befragte rund 1.500 Unternehmen und Beschäftigte, wie sie sich den Arbeitsplatz der Zukunft vorstellen. 18 Millionen Büroarbeiter in Deutschland sind betroffen. Grund genug, sich die Arbeitswelt von morgen und das Thema Arbeit 4.0 noch einmal genauer anzusehen.

Collaboration – die traurige Realität

Ist es zu glauben? Die wichtigsten Arbeitsinstrumente bei der überörtlichen Zusammenarbeit sind im Jahre 2017: E-Mail und Telefon. Mehr als 95 Prozent der Büroarbeiter kooperieren per E-Mail, fast 88 Prozent greifen zum Telefon. Collaboration sieht anders aus. Auf den Plätzen folgen Office Tools und Intranet sowie Web- und Videokonferenzen. Nur jeder Vierte kooperiert via ERP und jeder Fünfte über CRM-Systeme. Willkommen in der Realität der Arbeit 4.0.

Aufgeschlossenheit ist groß

Dabei sind Büroarbeiter durchaus aufgeschlossen für neue Methoden der Zusammenarbeit. 70 Prozent würden sich darüber freuen oder zumindest dafür interessieren, über eine eigene URL standortunabhängig Zugriff auf alle ihre Anwendungen zu haben. Lediglich zwei Prozent der Befragten würden das rundweg ablehnen. Warum also bestehen althergebrachte Methoden in Büros so zählebig fort? Ganz einfach: Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern keine zeitgemäßen Arbeitsplätze. Jeder vierte Büroarbeiter ist mit der technischen Ausstattung seines Arbeitsplatzes unzufrieden. Es liegt also nicht unbedingt an der mangelnden Akzeptanz der Mitarbeiter, wenn Unternehmen die Zukunft der Arbeit verschlafen. Vielmehr sind zeitgemäße, Cloud-gestützte Arbeitsmethoden in den Unternehmen selbst noch unzureichend verankert.

Was Mitarbeiter wünschen…

Vier von fünf Arbeitnehmern wünschen sich mehr Freiheit und Selbstbestimmung. Sie möchten Arbeit und Leben miteinander vereinbaren. Sie fordern flexiblere Arbeitszeitmodelle oder die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten. Sie möchten, dass ihre Arbeitgeber ihnen vertrauen. Wer schon einmal im Berufsverkehr auf dem Kölner Autobahnring unterwegs war, kann gut verstehen, warum das so ist. Doch das Dilemma ist lösbar. Mobilität funktioniert nämlich in zwei Richtungen:
  • Entweder der Arbeitnehmer ist mobil, das heißt, er kommt zu seinem Arbeitsplatz (und verliert dabei viel Zeit und Nerven),
  • Oder die Arbeit ist mobil und kommt zum Arbeitnehmer, wo auch immer dieser sich aufhält.
Es zeigt sich, dass immer mehr Arbeitnehmer die zweite Variante bevorzugen.

…interessiert Unternehmen wenig

Lediglich ein Drittel der Unternehmen hat seine Arbeitnehmer überhaupt gefragt, wie diese sich ihren Arbeitsplatz in Zukunft vorstellen. Ein schwaches Bild angesichts von Fachkräftemangel und einer zunehmend unabhängigen, individuellen und selbstbewussten Generation Y, die sich Personaler nur allzu gerne ins Unternehmen holen möchten.

Neue Räume, neue Arbeitsmodelle

Doch da ist auch Licht: Zwei von drei Firmen haben erkannt, dass sie ihre Arbeitsplätze weiterentwickeln müssen. Grundvoraussetzung ist eine gute Technologie-Ausstattung, die auch das Arbeiten von unterwegs ermöglicht. Auch die Ergonomie und der Wohlfühl-Faktor in der Büroarbeit verbessern sich allmählich. Das fängt beim rückenschonenden Stehpult an und hört beim Obstkorb in der Teeküche noch längst nicht auf. Die räumliche und technische Ausstattung ist ein Anfang, aber mehr auch nicht. Software aus der Cloud schafft auch neue Perspektiven für Job Sharing und Heimarbeit. In integrierter Cloud-Unternehmenssoftware sind Vorgänge mit allen relevanten Informationen angereichert. Qualitätsgesicherte Workflows werden im System hinterlegt. So weiß die Teilzeit-Kollegin sofort, wer wann was mit wem besprochen hat und welche Schritte sie als Nächstes übernehmen sollte.

Aufgabenpools statt Mikromanagement

Chefs können ihren Mitarbeitern mehr Freiheit lassen, wenn es gilt, die eigene Arbeit zu organisieren. Die Zukunft der Arbeit braucht kein Mikromanagement mehr. Eine sinnvolle Einrichtung sind zum Beispiel Aufgabenpools, aus denen sich Mitarbeiter ihre neuen Aufgaben holen, wenn sie eine Arbeit erledigt haben. Arbeitsaufträge nach der Pull-Methode statt nach der Push-Methode. Auch das ist Arbeit 4.0. Statt zu manchen Zeiten überlastet und zu anderen Zeiten gelangweilt zu sein, können Mitarbeiter selbst ihre Arbeitsauslastung steuern. Der Druck, der heute noch viele Mitarbeiter in Burn-out und Erschöpfung treibt, wird vielleicht bald der Vergangenheit angehören. Reporting-Tools, Benachrichtigungen und Statusmeldungen sorgen dafür, dass der Manager weiterhin einen Überblick über die Leistung und den Erledigungsgrad der Aufgaben hat.

Kulturwandel im Unternehmen

Die digitale Transformation bringt nicht nur mehr Vernetzung, mehr Internet, mehr Automatisierung, mehr Produktivität in die Unternehmen. Sie führt auch zu einem tiefgreifenden Kulturwandel. Fortschrittliche Unternehmen arbeiten mit dezentralen, flexiblen Teams, die über Collaboration-Plattformen, Chat-Tools, ERP- und CRM-Systeme kommunizieren und zusammenarbeiten. Die alten, hierarchischen Linienorganisationen haben ihre Gültigkeit verloren. Die neuen Teams sind nicht mehr an Standorte oder Organisationen gebunden. Heute sind in der IT-Umgebung eingerichtete Rollen und Verantwortlichkeiten, Freigaben und Berechtigungen, Benachrichtigungen und Statusanzeigen die neuen Organisationsstrukturen, wenn es gilt, Aufgaben und Projekte effizient zu bewältigen.

Fazit: Cloud schafft Dynamik für Arbeit 4.0

Cloud-Lösungen bringen eine neue Freiheit, Unabhängigkeit und Dynamik in die Arbeitswelt. Die e-Collaboration über die Cloud, mit sicherem, standortunabhängigem Echtzeit-Zugriff auf Daten und Anwendungen wird weiter voranschreiten. Cloud-Services sind ein Heilmittel gegen den Fachkräftemangel hierzulande. Arbeitszeiten und Leistungen werden durch sie hoch skalierbar und ultra-flexibel.

Home Office – Fluch oder Segen?

Pro und Contra Home Office

Die digitale Arbeitswelt macht es möglich: Immer mehr Unternehmen und Mitarbeiter setzen auf Home Office. Viele Argumente sprechen dafür: Arbeit und Familie lassen sich besser vereinbaren, man steht nicht mehr jeden Morgen und Abend im Stau, arbeitet ungestört in einer vertrauten Umgebung… 30 Prozent der Unternehmen bieten mittlerweile Heimarbeit an. Doch das Paradies sieht anders aus. Anfang 2017 machte ein Video die Runde, in dem ein Professor mitten in einem Live-Interview mit der BBC von seinen Kindern unterbrochen wurde. IBM, ein Unternehmen, das lange Zeit Home Office propagierte und praktizierte, beorderte seine Mitarbeiter „back to barracks“.

Studien werfen Zweifel auf

Eine Studie der Arbeitsorganisation ILO der Vereinten Nationen und der Europäischen Stiftung Eurofund mit dem Titel „Arbeiten jederzeit und überall: Auswirkungen auf die Arbeitswelt“ belegte, dass alle Telearbeiter im Vergleich zu ihren Kollegen am Bürostandort anfälliger seien für Krankheiten und Stress-Symptome. 42 Prozent von ihnen leiden unter Schlafstörungen. Was die Produktivität betrifft, so glauben die meisten Telearbeiter, im Home Office adäquat arbeiten zu können. Aber nur 30 Prozent der Unternehmen teilen diese Meinung, wie eine Studie des Jobportals Monster belegt. Dagegen befürchtet ein Großteil der Arbeitgeber, dass die Produktivität im Home Office sinke. Und wie steht es um den Austausch mit Kollegen? Den kreativen Flow zwischen Windeln und Abwasch? Die Karrierechancen von Mitarbeitern, die der Chef kaum je zu Gesicht bekommt?

Ist Home Office schlecht?

Plakative Aussagen werden einem komplexen Problem nicht gerecht. Die Probleme liegen nämlich auf mehreren Ebenen.

Die menschliche Ebene

Manche Menschen arbeiten in aller Abgeschiedenheit am besten. Sie lieben die Stille und können sich ausschließlich auf ihre Arbeit fokussieren. Andere, extrovertierte Menschen haben in derselben Situation das Gefühl zu versauern. Die Einsamkeit schlägt ihnen aufs Gemüt. Sie reagieren im schlimmsten Fall mit psychosomatischen Störungen bis hin zu Depressionen und Burn Out.
Folgerung: Heimarbeit muss zum Typ passen.

Die Arbeitssituation daheim

Frischgebackene Eltern neigen dazu, sich zu überfordern. Kein Wunder, stehen sie doch mit rund 30 Jahren in einer Lebensphase, in der sie beruflich und privat weiterkommen möchten. Gerade junge Frauen unterschätzen den Stress, ein Baby zu versorgen und zugleich im Betrieb am Ball zu bleiben. Auch kranke oder behinderte Kinder oder die Pflege von Angehörigen sind mit einem Acht-Stunden-Tag als Telearbeiter schlechterdings unvereinbar. Andere Schwierigkeiten können aus Platzmangel resultieren. Ein winziger Computertisch in der Diele oder ein Laptop in der belebten Wohngemeinschaftsküche sind keine produktivitätsfördernden Arbeitsplätze.
Folgerung: Die familiäre und räumliche Situation muss ungestörte Telearbeit ermöglichen.

Das Zeitmanagement

Prokrastination ist ein neues Modewort. Es meint das Aufschieben von notwendigen Arbeiten bis zum allerletzten Termin. Manchen Telearbeitern fehlt schlicht die Disziplin, das Arbeiten zuhause durchzuhalten. Die soziale Kontrolle des Büros fehlt, stattdessen gibt es tausend Ablenkungen.
Folgerung: Telearbeiter brauchen Disziplin und ein gutes Zeitmanagement. Arbeitgeber sollten die Heimarbeit in einer Weise begleiten, dass sich der Mitarbeiter nicht überwacht, aber auch nicht alleingelassen fühlt.

Der Austausch mit Kollegen

Kreativer Austausch ist keine Einbahnstraße. Arbeitet ein kreativer Kopf im Home Office, geht seiner Abteilung etwas verloren. Im umgekehrten Fall ist ein weniger kreativer Mitarbeiter daheim vom Ideenreichtum der Kollegen abgeschnitten. Auch die Plaudereien an der Kaffeemaschine und den Flurfunk wird er möglicherweise schmerzlich vermissen. Daraus kann eine schleichende Entsolidarisierung des Mitarbeiters mit seiner Firma erwachsen, die er nicht mehr als sein Arbeitsumfeld wahrnimmt. Dagegen lässt sich etwas tun. Chatprogramme und Videotelefonate können die Abkapselung des Heimarbeiters durchbrechen.
Home Office
Ein wenig Zuspruch kann Wunder wirken

Folgerung: Es genügt nicht, dem Heimarbeiter seine Arbeit auf den Server zu stellen und einen Termin einzutragen. Auch die Kommunikation mit Kollegen muss gewährleistet sein.

Die Arbeitgeberseite

Arbeitgeber und Vorgesetzte sollten sich selbstkritisch fragen, ob sie bereit sind, Telearbeiter als vollwertige Mitarbeiter wahrzunehmen. Sie sollten unbedingt den Kontakt halten und auch ihre Wertschätzung und Anerkennung für die Leistung der Heimarbeiter bekunden. Es darf nicht dazu kommen, dass sich Mitarbeiter im Home Office vernachlässigt, isoliert und missachtet fühlen. Ein weiteres Problem entsteht, wenn von Heimarbeitern erwartet wird, dass sie rund um die Uhr zur Verfügung stehen.
Folgerung: Telearbeiter brauchen ebenso wie Büroarbeiter die Zuwendung ihrer Führungskräfte und einen strukturierten Arbeitstag ohne permanente Erreichbarkeit.

Die Art der Tätigkeit

Es gibt auch eine Studie, die besagt: Heimarbeiter sind seltener krank, machen kürzere Pausen und kommen auf eine 13 Prozent höhere Produktivität. Befragt wurden allerdings nur Callcenter-Mitarbeiter eines Reiseveranstalters. Dieser Befund lehrt uns: Manche Tätigkeit eignet sich besser für Telearbeit, manche aber auch schlechter. Die umfassendere Studie, die oben zitiert wurde, betrachtet drei Gruppen von Telearbeitern:
  • Personen, die teils im Home Office und teils im Büro arbeiten,
  • hochmobile Mitarbeiter, die überall arbeiten, nur nicht im Büro,
  • Angestellte, die regelmäßig von zuhause aus arbeiten.
Es existiert also zumindest eine Gruppe, die gar nicht vom Büro aus arbeiten kann: die hochmobile. Vielleicht treibt diese Gruppe ja auch die Stress- und Schlafstörungs-Quote nach oben?
Folgerung: Telearbeit sollte nicht nur zur Person, sondern auch zur Tätigkeit passen. Hier sollte jedes Unternehmen eigene Erfahrungen machen.

Die eingesetzten Tools und Methoden

Ein E-Mail-Account und eine Netzwerkfreigabe reichen nicht aus. Heimarbeiter benötigen eine zeitgemäße e-Collaboration-Plattform, auf der sie gemeinsam mit ihren Kollegen arbeiten können. Sie brauchen Zugriff auf Anwendungen und Informationen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Integrierte Unternehmenssoftware aus der Cloud bietet einen solchen Echtzeit-Zugriff auf Daten und Anwendungen. Außerdem macht sie Abläufe transparent. Der Heimarbeiter sieht nicht nur einen kleinen Ausschnitt der Vorgänge, sondern – soweit notwendig und sinnvoll – das große Ganze. Er kennt seine Rolle im Prozess und weiß, wozu seine Arbeit gut ist. Workflows schaffen die notwendige Sicherheit, damit auch im Home Office immer Klarheit darüber herrscht, was wann zu tun ist. Eine Zeiterfassungsfunktion macht es den Heimarbeitern leicht, den Nachweis über ihre Leistung zu erbringen, und zerstreut Bedenken von Arbeitgebern.
Folgerung: Telearbeiter sollten durch definierte Prozesse und eine integrierte, Cloud-gestützte Unternehmenssoftware unterstützt werden.

Home Office-Schulung anbieten

In Anbetracht der vielen Herausforderungen ist es sinnvoll, eine Schulung für Telearbeiter und ihre Manager zu entwickeln. Darin sollten alle die aufgelisteten Punkte offen zur Sprache kommen und praxisnahe Lösungen und Workflows eingeübt werden. Mitarbeiter sollten in Zeitmanagement und Arbeitsorganisation geschult werden, Vorgesetzte ihr Wissen über Führung von dezentralen Teams ausbauen. Die bereits gemachten Erfahrungen mit Home Office sollten in diese Schulung einbezogen werden.

Zentrale Anlaufstelle im Unternehmen

Es wäre auch zu überlegen, ob für Telearbeiter eine zentrale Anlaufstelle im Unternehmen benannt wird, die den Mitarbeitern mit Rat und Tat hilft. Manche Mitarbeiter geben Probleme vor ihren Vorgesetzten ungern zu. Darüber hinaus ist es gut, wenn eine kompetente Kraft in der HR-Abteilung das Feedback der Telearbeiter sammelt und entsprechend den Überblick hat, welche Probleme häufig auftreten. So können Prozesse verbessert und Handreichungen entwickelt werden. Anschließend kann ein Leitfaden für Telearbeiter entwickelt werden. Und wenn alles nichts hilft, ist es wichtig, auch eine „Rückfahrkarte“ ins Büro anzubieten. Wer sich ohne dieses professionelle Umfeld nicht wohlfühlt, der sollte ohne Gesichtsverlust an den Firmenschreibtisch zurückkehren können.

Fazit

Der eine schwärmt von Freiheit und Stauvermeidung, der andere stöhnt unter Doppelbelastung und Stress. In jüngeren Studien ist die Heimarbeit in Verruf gekommen. Das liegt zum Teil an überzogenen Erwartungen, sowohl der Mitarbeiter wie ihrer Vorgesetzten. Erreichbarkeit rund um die Uhr ist ebenso ein Mythos wie das Märchen von der mühelosen Work-Life-Balance. Heimarbeit kann produktiv und gesund sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Unternehmen sollten daher die Einzelaspekte für sich klären, in Schulungen vermitteln und als Richtlinie kommunizieren.