Digitalisierung

Plattform-Ökonomie: Grundlage für disruptive Innovationen?

Stellt die Sharing Economy eine neue solidarische Ökonomie des Tauschens und Teilens dar?

Plattformgestützte Unternehmen wie Uber und Airbnb boomen. Sie verdrängen klassische Geschäftsmodelle mit einem radikal neuen Ansatz - sie schaffen disruptive Innovationen. Gigworker, Cloudworker und Crowdworker sind die Agenten in der Plattform-Ökonomie. Es bedarf neuer sozialer Spielregeln, um die Digitalisierung im Sinne des Menschen zu gestalten.

07. Juni 2017 826 Aufrufe
Die Dienstleistungsbranche ist derzeit zum Umdenken gezwungen: Im Zuge der digitalen Transformation findet eine unaufhaltsame strukturelle Veränderung von Märkten und damit der gesamten Gesellschaft statt. Klassische Märkte entwickeln sich immer mehr in Richtung Plattform-Ökonomie: Fünf der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt basieren auf Plattform-Modellen. Die Plattformen sind auf Software und Algorithmen aufgebaut, doch es handelt sich bei der Plattform-Ökonomie längst nicht mehr nur um ein rein technologisches Phänomen. Sie verändert die Art und Weise, wie wir miteinander arbeiten und wie unsere Gesellschaft funktioniert. With tablet in the market

Plattform-Ökonomie ermöglicht neue Geschäftsmodelle

Das Internet macht es möglich, dass plattformgestützte Unternehmen traditionelle Geschäftsmodelle verdrängen: Neue Anwendungen sollen das Arbeitsleben bequemer machen. Plattformanbieter schaffen eine Infrastruktur, die es dem Kunden ermöglicht, Produkte und Dienstleistungen zu nutzen, ohne sich selbst erst eine Plattform aufbauen zu müssen. Das ist äußerst komfortabel und spart viel Zeit: Die Wartung und Weiterentwicklung der Plattform obliegt ihrem Betreiber; der Kunde kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Durch die zunehmende Nutzung von Smartphones, sozialen Netzwerken und elektronischen Marktplätzen ist es via Plattform möglich, schnell und flexibel Produkte, Dienstleistungen – und sogar Arbeitende zu vermitteln. Es entstehen völlig neue Geschäftsmodelle:
„Uber, das weltgrößte Taxi-Unternehmen, besitzt keine Fahrzeuge. Facebook, das weltweit größte Medium, produziert keine Inhalte. Alibaba, der wertvollste Händler der Welt, hat kein Inventar. Und Airbnb, der weltweit größte Zimmervermittler, besitzt keine Immobilie.“

Disruptive Innovationen dank neuer Internetplattformen

Durch die Möglichkeit, einfach und ohne großen Aufwand gänzlich neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, schafft die Plattform-Ökonomie die Grundlage für disruptive Innovationen. Einfachere Programmiermethoden sowie die Nutzung von Cloud Services ermöglichen es auch Nicht-Techies, Startups zu gründen, die Services via Plattform anbieten und so traditionelle Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten auf den Kopf stellen. Anstelle von lediglich erhaltenden Innovationen entstehen vor diesem Hintergrund immer wieder auch tatsächlich disruptive Innovationen. typewriter vs. laptop

Neue Spielregeln in der Welt der Gigworker, Cloudworker und Crowdworker

Bisher kommen die treibenden Kräfte noch aus den USA. Es sind die großen Firmen wie Amazon, Facebook oder Google, die unseren Alltag mehr und mehr bestimmen. Und es sind dynamische netzwerkgetriebene Unternehmen wie Uber und Airbnb, die Vorreiter in der Entwicklung der Dienstleistungsbranche sind. Wie kommt es, dass der Großteil der disruptiven Innovationen bisher aus den USA kommt, während deutsche Unternehmen zumeist doch bloß erhaltende Innovationen zustande bringen? In den USA verdrängen Plattform-Unternehmen wie Uber und Airbnb traditionelle Geschäftsmodelle, indem sie „kreativ“ mit bestehenden Gesetzesvorschriften und Industrienormen umgehen. Nicht selten untergraben die Plattformanbieter zudem das Arbeitsrecht. Diejenigen, die über die Plattform vermittelt werden und ihre Arbeitsleistung einbringen, arbeiten ohne Tariflohn, ohne Arbeits- und Gesundheitsschutz. Statt der herkömmlichen Angestellten mit Festvertrag dominieren Gigworker, Cloudworker und Crowdworker die Plattform-Ökonomie. In Deutschland stellen sich die Gewerkschaften gegenüber diesen Entwicklungen noch quer, denn sie befürchten, dass damit unsere Standards hinsichtlich des Arbeitsrechts relativiert werden könnten. Zumindest müsse es neue soziale Spielregeln geben, die gute Arbeit für alle gewährleisten, fordert Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall:
„Die digitale Transformation und die immer bedeutendere Rolle von digitalen Plattformen brauchen soziale Spielregeln. Neue Formen von Arbeit erfordern einen Diskurs über die soziale Absicherung im Alter oder im Fall von Krankheit. Gute Arbeit ist auch in der digitalen Welt unser Leitbild. Hier sind alle Akteure gefordert: Crowdworker, Unternehmen, Gewerkschaften und Gesetzgeber.“
Neben den vielen neuen Möglichkeiten der Plattform-Ökonomie ergeben sich also auch gewisse Risiken, mit denen wir umgehen müssen.

Sharing Economy: Eine neue solidarische Ökonomie des Tauschens und Teilens?

In der auch „Sharing Economy“  bzw. „Kollaborative Ökonomie“ (Phänomene wie Wikipedia, Creative Commons und Crowdsourcing) genannten neuen Wirtschaftsform entwickeln sich die Märkte über das Internet zunehmend zu Foren der Zusammenarbeit. Die Plattform-Ökonomie verspricht damit das bisherige System durch eine neue Wirtschaftskultur des Tauschens und Teilens zu ersetzen. Auch neue Arbeitsformen wie das Coworking, die wachsende Vernetzung und das zunehmende Teilen von Wissen und Informationen versprechen eine solche neue Ökonomie der Solidarität. Wenn wir produktiv mit den Herausforderungen der neuen Wirtschaftswelt umgehen, anstatt bloß die USA zu kopieren und die Marktwirtschaft als Dumpinghölle zu organisieren, könnte es uns gelingen, das emanzipatorische Potenzial der Plattform-Ökonomie zu realisieren.
Wir zeigen Ihnen, wie Sie von der Digitalisierung profitieren.

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