Digitalisierung

Digitalisierungstreff #2: Neues Arbeiten

Selbstbestimmtes Arbeiten oder Straffung der Fesseln?

Beim zweiten Digitalisierungstreff am 18.5. diskutieren wir über das Thema "Neues Arbeiten". Die Digitalisierung und Automatisierung verändert die Art und Weise, wie wir miteinander arbeiten. Nicht nur die sogenannte "Generation Y" stellt Forderungen nach einer verbesserten Work-Life-Balance und einem selbstbestimmten und sinnvollen Arbeiten. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Werden die Visionen der New-Work-Bewegung in den Unternehmen umgesetzt? Was sind die Schattenseiten des Neuen Arbeitens? Wie könnten neue Formen des Miteinanders entwickelt werden?

11. April 2017 389 Aufrufe
Die klassische Erwerbsarbeit wird schon lange durch neue Formen des Arbeitens ergänzt: Digitale Nomaden arbeiten von überall auf der Welt – das Internet macht`s möglich. Doch Neues Arbeiten „…ist mehr als alte Arbeit mit Internetanschluss“, wie das brand eins Magazin im März titulierte. Auf der Xing New Work Experience Ende März erzählte Frithjof H. Bergmann, Philosoph und Erfinder des Begriffs „New Work“, wie in den 70er Jahren die New Work-Bewegung entstand. Nach dem Vortrag gab es Standing Ovations. Die Veranstaltung wurde jedoch auch kritisch betrachtet: Hendrik Epner schrieb u.a. als Reaktion darauf, dass das Xing-Event nur gegen einen Eintrittspreis von 713 € besucht werden konnte,  einen Blogartikel mit dem provokanten Titel „New Work zwischen Spiritualität, elitärem Scheiß und dringender Notwendigkeit“. Beim #DORFcamp, einem Barcamp in Elsdorf – Neu Etzweiler, wurde darüber lebhaft diskutiert. Winfried Felser veröffentlichte daraufhin einen Artikel zum Thema New Work bei der Huffington Post und initiierte dann eine Blogparade mit dem Hashtag #NewWork17. Grundtenor der Diskussion ist dass das, was „oberflächlich nach Emanzipation aussieht, […] in Wirklichkeit nichts anderes als ein Straffen der Fesseln“ sein könnte, wie es die englische Philosophin Nina Power in Bezug auf das Neue Arbeiten schrieb. Gunnar Sohn fürchtet, dass das recht idealistische New Work-Konzept in der Realität der Arbeitswelt letzten Endes nichts Anderes sein könnte als „digitale Käfighaltung mit einem scheinheiligen Anstrich von Wohlfühl-Maßnahmen“. Doch wie sieht die Realität der Arbeitswelt aus? Wie hat sich das Arbeiten im Laufe der letzten Jahrzehnte gegenüber dem Fordismus des Industriezeitalters verändert? Die Verheißungen der neuen Arbeitswelt sind zahlreich:
  • Vernetztes Arbeiten und die Möglichkeit, im Home Office oder in Coworking Spaces zu arbeiten, ermöglichen Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsort.
  • Die Nutzung von Dokumentenmanagementsystemen und Social Intranet schafft Transparenz und eine Kultur der Wissensvermittlung, in der das Teilen von Wissen zählt, und nicht der Wissensvorsprung Einzelner.
  • Flache Hierarchien führen dazu, dass Arbeitnehmer stärker Eigeninitiative ergreifen und autonom agieren können, statt auf Weisungen von oben zu warten. Ein partnerschaftliches Zusammenarbeiten auf Augenhöhe deutet sich hier an.
  • Durch eine neue Feedbackkultur können sich Arbeitende dabei immer weiter entwickeln, statt zu stagnieren.
  • Kreative Auszeiten wie Sabbaticals, Zeit für eigene Projekte und neue Methoden zur Ideengewinnung wie etwa Scrum erhöhen die Kreativität.
Doch abgesehen davon, dass von diesen Segnungen der Schönen neuen Arbeitswelt ein Großteil der Bevölkerung ausgeschlossen ist, wie es Hendrik Epner und Gunnar Sohn in ihren Blogartikeln kritisch anmerkten, gibt es auch innerhalb dieser Welt einige Schattenseiten. So kann Home Office etwa zu einer starken Vereinsamung führen. Nicht nur das kathartische Lästern über die Chefs im Büroflur fällt weg, sondern oftmals auch der fruchtbare Ideenaustausch mit den Kollegen. Mit dem Verlust der Möglichkeit, sich bei der Arbeit zu vernetzen, schwindet auch diejenige, sich politisch zu organisieren. Die Folge ist eine zunehmende Vereinzelung und Entsolidiarisierung. Verantwortung wird beim Neuen Arbeiten immer mehr dem Einzelnen übertragen. Der Über-Ich-Druck, dem sich der vereinzelte Arbeitnehmer selbst unterwirft, ist ungemein stärker, als jeglicher von außen kommende Druck es jemals sein könnte. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung in der Arbeit macht uns alle zu Unternehmern unserer selbst. Sozialwissenschaftler wie Christoph Menke und Juliane Rebentisch vom Frankfurter Institut für Sozialiforschung (IfS) beklagen, dass diese damit als „Ideologie und Produktivkraft eines deregulierten Wirtschaftssystems“ missbraucht wird, das letztlich jedoch eine „Beziehung der Beziehungslosigkeit“ zwischen den Arbeitenden fördert und eine entfremdete Arbeitswelt entstehen lässt. Was kann man dagegen tun? Welche Werte können dazu beitragen, trotz aller Flexibilität und Agilität gute Arbeitsbeziehungen aufrechtzuerhalten? Wie kann man die neuen „technologischen Möglichkeiten so in den Unternehmensalltag […] integrieren, dass es für die Mitarbeiter leistbar, für den Unternehmer bezahlbar und für den Kunden gewinnbringend ist“, wie es Christiane Brandes-Visbeck in ihrem Gastbeitrag im Scopevisio Ratgeber fragt? Welche neuen Formen des Miteinanders können entwickelt werden? Darüber möchte ich mit meinen Gästen beim Digitalisierungstreff #2: Neues Arbeiten sprechen. Wann? 18.05.2017, 18-22 Uhr Wo? Digital Hub Bonn (Coworking Space Bonn, Rheinwerkallee 6, 53227 Bonn) Anmeldung bitte über Meetup. #DigiTreff  
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