Controlling

Deckungsbeitragsrechnung für das Kostencontrolling

Kostentransparenz für strategische Entscheidungen

Wenn ein Unternehmen seine Kosten- und Erlössituation genau analysiert, kann es besser entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Dabei hilft ihm die Deckungsbeitragsrechnung.

12. Dezember 2016 1219 Aufrufe
Welche Produkte oder Services tragen wie viel zum Betriebsergebnis bei? Welche sind besonders lohnend, welche sind unwirtschaftlich? Diese Fragen beantwortet die Deckungsbeitragsrechnung.

Was ist ein Deckungsbeitrag?

Vereinfacht ausgedrückt ist dies der Anteil, den ein verkauftes Produkt zur Deckung der Betriebskosten beiträgt. Im Idealfall wird das Produkt natürlich teurer verkauft als produziert – dann entsteht für das Unternehmen ein Gewinn. Betriebswirtschaftlich gehört die Deckungsbeitragsrechnung zum Themenkomplex der Kosten- und Leistungsrechnung.

Wie wird ein Deckungsbeitrag berechnet?

Der Deckungsbeitrag berechnet sich zu Umsatz minus anteilige variable Kosten. Der (hoffentlich) verbleibende Betrag dient zur Deckung der fixen Kosten und das, was danach (hoffentlich) noch übrig bleibt, fließt in das Betriebsergebnis ein. Salopp gesagt ist es Ihr Gewinn. Das scheint einfacher als es ist, denn zunächst müssen Sie einmal:
  1. Ihre fixen und variablen Kosten kennen,
  2. diese auf die verkauften Produkte umlegen und
  3. die Einstands- und Verkaufspreise Ihrer Leistungen und Produkte definieren.

Fixkosten und variable Kosten

Fixe Kosten sind Kosten, die dem einzelnen Produkt bzw. der Leistung nicht eindeutig zugeordnet werden können; sie werden daher auch als Gemeinkosten bezeichnet. Dem gegenüber sind variable Kosten eindeutig zuzuordnen; man spricht daher auch von Einzelkosten.

Deckungsbeitrag I und II

Der Deckungsbeitrag I ist die Differenz zwischen Umsatzerlös und variablen Kosten. Der Deckungsbeitrag II ergibt sich, wenn davon auch noch die Fixkosten abgezogen werden.

Ein Beispiel aus der Dienstleistungsbranche

Angenommen, ein Beratungsunternehmen entsendet Consultants für eine Strategieberatung in ein Kundenunternehmen. Die Leistung der Consultants wird dem Kunden gegenüber mit EUR 1.000 pro Person und Tag berechnet. Die Gehälter der Consultants belaufen sich auf EUR 400 pro Tag. Der Deckungsbeitrag pro „Manntag“ beträgt also EUR 600 Euro. Das Unternehmen hat aber auch Gemeinkosten. Dazu gehören die Büromiete, die Gehälter für die Mitarbeiter im Innendienst – Sekretariat, Buchhaltung, Software usw. Diese Fixkosten betragen vielleicht EUR 200.000 pro Jahr, umgelegt auf 200 Arbeitstage also EUR 1.000 pro Tag. Wenn täglich mindestens zwei Manntage abgerechnet werden können, ist das Unternehmen in der Gewinnzone, denn:
Umsatzerlöse   2.000
Variable Kosten  – 800
Deckungsbeitrag I   1.200
Fixe Kosten –  1.000
Betriebsergebnis oder Deckungsbeitrag II   200
Damit der Chef mehr verdient als seine Consultants und zusätzlich auch noch die Weihnachtsfeier bezahlen kann, müsste er allerdings noch einiges mehr an Umsatz generieren. Oder er reduziert seine Kosten… Zeit fr neues

Produzierende Industrie

Was dem Dienstleistungssektor die „Manntage“ sind, das ist der produzierenden Industrie der Wareneinsatz. Häufig gilt die Faustregel: Je höher die Produktionsmenge, desto geringer die Stückkosten, da Lieferanten in der Regel bei Abnahme größerer Mengen günstigere Preise berechnen. Dies sollte ein Unternehmen jedoch nicht veranlassen, auf Halde zu produzieren, da hohe Lagerbestände hohe Kosten generieren. In Logistik und Produktion setzt sich vielerorts das Just-in-Time-Prinzip durch. Es wird genau das eingekauft, geliefert und produziert, was auch abgesetzt werden kann – genau zur richtigen Zeit, eben „just in time“. Möglich ist dies durch immer intelligentere Software, die Echtzeitdaten über alle Unternehmensbereiche liefert und somit eine nie gekannte Feinsteuerung der Prozesse ermöglicht.

Viele Kostenarten

Wenn man bedenkt, wie viele Kosten und Kostenarten es gibt – Personal, Wareneinsatz, Produktion, Logistik, Energie, Mieten, Zinsen, Bürokosten, kalkulatorische Kosten, interne und externe Dienstleister usw. – dann wird deutlich, wie schwierig es werden kann, einen Deckungsbeitrag zu berechnen. Darüber hinaus gibt es Leistungen, deren Wert ebenfalls zunächst einmal schwierig zu beziffern ist. Wenn Sie z. B. Deckungsbeiträge in laufenden Projekten berechnen möchten, lässt sich nicht zu jedem Zeitpunkt genau quantifizieren, welche Leistungen bereits erbracht wurden, wieviel diese gekostet haben und welche Einnahmen diese Leistungen generieren.

Einstufige und mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Bei der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung werden die Fixkosten im Ganzen von der Summe der berechneten Deckungsbeiträge abgezogen. Bei der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung werden die Fixkosten aufgespalten und auf die verschiedenen Verursacher im Unternehmen umgelegt. Dadurch wird transparent, welche Bereiche im Unternehmen welche Kosten verursachen. Diese differenzierte Betrachtung ermöglicht es, Schwachstellen zu analysieren, Vergleiche anzustellen und Steuerungsmaßnahmen für mehr Kostenkontrolle zu implementieren.

Deckungsbeitragsrechnung als Steuerungsinstrument

Wenn ein Unternehmen seine Kosten- und Erlössituation genau analysiert, kann es besser entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Zeigt sich auf der Erlösseite bei einem bestimmten Erzeugnis oder Service eine Unterdeckung, kann dieses aus dem Angebot genommen werden, bevor eine finanzielle Schieflage entsteht. Oder es werden andere Parameter geändert, z. B. beim Preis oder bei den Kosten, damit sich die Sache wieder lohnt. Auf der Kostenseite ist es wichtig zu wissen, wie sich die Kosten zusammensetzen und entwickeln. Welche Produktionsfaktoren können eventuell günstiger erworben oder gewinnbringender eingesetzt werden?

Steuerung ist proaktiv

Wenn Deckungsbeiträge immer erst nachträglich – nach Ende des Projektes – berechnet werden, nutzen sie der Unternehmenssteuerung wenig. Mit einer solchen retrospektiven Deckungsbeitragsrechnung können lediglich Erfahrungswerte gesammelt werden, aber Sie erkennen nicht rechtzeitig, ob das „Kind in den Brunnen fällt“. Daher ist es wichtig, ein Instrumentarium aufzubauen, das eine laufende Kontrolle der Kosten und Deckungsbeiträge ermöglicht. Zum Beispiel in laufenden Projekten: Welche Leistungen zu welchen Kosten wurden oder werden noch erbracht und wie rentieren sie sich? Drohen irgendwelche Kosten, aus dem Ruder zu laufen?

Software für das Kostencontrolling

Mit Unternehmenssoftware können heute manche Deckungsbeiträge in Echtzeit abgerufen werden. Das ist, wie oben gesagt, besonders für die Projektsteuerung wichtig. Wenn die Software Projektfunktionalitäten mit Abrechnungs- und Buchführungsfunktionen integriert, kann der Projektmanager zu jeder Zeit sehen, wie sich die Kosten und Erlöse im Projekt entwickeln. Dabei können nicht nur die Einzelkosten, sondern auch die auf das Projekt entfallenden variablen Kosten auf diese Projektkostenstelle gebucht werden. Ein Beispiel dafür wäre es, wenn eine Sekretärin eine Präsentation für ein Projekt erstellt und die dafür aufgewendete Arbeitszeit auf dieses Projekt erfasst. Wenn für die Sekretärin ein Stundenverrechnungssatz im System hinterlegt ist, kann ihr Anteil an den Projektkosten direkt einbezogen werden.

Zusammenfassung

Die Deckungsbeitragsrechnung ermittelt, wie viel ein Produkt oder eine Leistung zum Betriebserfolg beiträgt. Außerdem gibt sie Aufschluss über die Kostenstruktur und Kostenentwicklung im Unternehmen. Diese Analysen sind wichtig, um die Wirtschaftlichkeit der Produkte und Leistungen zu ermitteln. Diese sollten tunlichst nicht nur die Einzel- und Gemeinkosten decken, die bei ihrer Herstellung anfallen, sondern zusätzlich noch einen positiven Beitrag zum Betriebsergebnis leisten. Leistungsfähige Unternehmenssoftware ermöglicht heute auch eine laufende Deckungsbeitragsrechnung und eine Prognose der Rentabilität. Wenn der Deckungsbeitrag nicht ausreicht, müssen Kosten gesenkt, Preise angehoben oder Sortimente umstrukturiert werden.
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